„Zeitersparnis und Effizienz sind superwichtig“

Service Learning mit sozialgenial soll für Lehrkräfte so einfach wie möglich umzusetzen sein. Deshalb arbeitet die Aktive Bürgerschaft eng mit Lehrkräften und Schulsozialarbeitern zusammen, die eigene Erfahrungen mit Service Learning einbringen. Programm-Leiterin Caroline Deilmann erklärt, was sich bewährt hat.

bürgerAktiv Zehn Jahre Service Learning mit sozialgenial in Hessen: Was bringt sozialgenial ins Land, das andere Schulprogramme nicht haben?

Caroline Deilmann sozialgenial schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Es ist ein Service-Learning-Programm: Die Schülerinnen und Schüler engagieren sich aus dem Unterricht heraus für etwas, das ihnen wichtig ist. Das ist handlungsorientiertes Lernen mit direktem Lebensweltbezug. sozialgenial-Projekte sind keine Planspiele, die Schüler beschäftigen sich mit realen Problemen und finden Lösungen dafür. Durch ihr Engagement erleben sie, dass sie mit ihrem Handeln tatsächlich etwas bewegen können.

Die Schülerinnen und Schüler gehen raus ins Leben außerhalb der Schule und bringen sich in die Gesellschaft ein. In ihren Projekten machen sie zwangsläufig Erfahrungen, die sonst im Unterricht nicht möglich sind. Das ist Demokratielernen in der Praxis und wirkt sich auch positiv auf ihre Kompetenzen aus.

bürgerAktiv Um welche Kompetenzen geht es da?

Caroline Deilmann Das können einerseits fachliche Kompetenzen sein – die sozialgenial-Projekte sind ja an den Unterricht angebunden und sollen helfen, fachliche Inhalte zu vertiefen und ihre Relevanz zu verstehen. Durch die Projektarbeit und das Engagement selbst stärken die Schülerinnen und Schüler darüber hinaus ihre sozialen und persönlichen Kompetenzen, wie uns die Lehrkräfte immer wieder bestätigen. Durch das Engagement entfalten sie auch Empathie. Sie lernen, die Perspektiven anderer einzunehmen und darauf zu reagieren, aber auch das, was sie tun, kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren.

Und eines ist noch ganz wichtig: Für ihr Engagement bekommen die Schülerinnen und Schüler etwas zurück, nämlich Dankbarkeit und Anerkennung, das zahlt ganz stark auf das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit ein.

„Ein großer Pluspunkt ist die Flexibilität“


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Was berichten denn die Lehrkräfte über die Umsetzbarkeit von sozialgenial im stressigen Schulalltag?

Caroline Deilmann Viele empfinden die weitgehende Flexibilität des Programms als großen Pluspunkt. Wir machen ja keine engen Vorgaben, sondern die Lehrkräfte können selbst entscheiden, wie sie ihre Projekte anlegen. Ob sie beispielsweise ein kleines Projekt mit einer kleinen Schülergruppe in kurzer Zeit durchführen, oder ob sie ein jahrgangs- und schuljahrübergreifendes Großprojekt ausrollen – um die Extreme zu nennen. Das Konzept gibt beides her und alles dazwischen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die thematische Offenheit. Bei Service Learning geht es um bürgerschaftliches Engagement ganz allgemein. Das kann vom Einsatz für den Klimaschutz über soziales Engagement und Lese- oder Medienkompetenz bis hin zur Integration alles sein, was unsere Gesellschaft ausmacht und zusammenhält.

Die Projekte können deshalb sehr gut in die vorhandenen schulischen Abläufe und eigentlich überall in den Unterricht eingebunden werden. Viele Schulen übernehmen sozialgenial ins Schulprogramm oder in das Curriculum eines bestimmten Faches und geben ihm einen festen Platz in den Stundenplänen.

„Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Praktikern“


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Mit welchen „Tricks“ habt ihr das erreicht?

Caroline Deilmann Der wichtigste „Trick“ war und ist die Zusammenarbeit mit Praktikern:  Die Materialien, die wir unseren Mitgliedsschulen zur Verfügung stellen, haben wir mit Lehrkräften und Schulsozialarbeitern entwickelt, damit sie wirklich praxistauglich sind. Sie können direkt im Unterricht eingesetzt werden.

Die aktuellen „So geht sozialgenial!“-Praxishilfen bestehen aus Leitfäden zum Projektmanagement mit Leitfragen und Methodenvorschlägen, Arbeitsblättern in verschiedenen Niveaustufen, exemplarischen Stundenverlaufsplänen und Kompetenzkarten. Außerdem veröffentlichen wir kontinuierlich neue Projektbeispiele.

Damit kann Service Learning in allen Schulformen, in allen Jahrgangsstufen und in allen Unterrichtsangeboten umgesetzt werden. Wie fange ich an? Wie setze ich das Projekt mit den Schülern um? Niemand muss das Rad neu erfinden, man kann direkt loslegen.

bürgerAktiv Klappt das in der Praxis?

Caroline Deilmann Ja, dafür bekommen wir regelmäßig positive Rückmeldungen. Das freut uns, macht uns aber auch immer wieder klar: Zeitersparnis und Effizienz sind superwichtig für die Lehrkräfte.

Und apropos Zeitersparnis: In unserem so-geht-sozialgenial-Portal für unsere Mitgliedsschulen finden Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter alles an einem Ort, was wir ihnen an Unterstützung anbieten. Neben den erwähnten Praxishilfen gibt es dort eine große Datenbank mit Praxisbeispielen, die nach Schulformen, Themen und Unterrichtsfächern durchsucht werden kann. Außerdem ist das Portal unser Community-Netzwerk, wo man sich mit Kolleginnen und Kollegen anderer sozialgenial-Schulen vernetzen kann. Und es gibt dort Infos zu den sozialgenial-Förderfonds, auf die man sich bewerben kann, die Termine für die nächsten Veranstaltungen und noch einiges mehr.

bürgerAktiv Was für Veranstaltungen sind das?

Caroline Deilmann Wer sich schnell über sozialgenial informieren  möchte, für den haben wir die monatlichen Online-Infoveranstaltungen. Für Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter, die mehr wissen möchten und auch mit unserer Unterstützung eine erste Ideenskizze für sozialgenial in ihrem Unterricht entwerfen möchten, gibt es unsere dreistündigen Fortbildungsveranstaltungen „sozialgenial für Einsteiger“.

Und dann gibt es die sozialgenial-Praxistage, das sind Vor-Ort-Veranstaltungen, bei denen es vor allem darum geht, voneinander zu lernen und zu erfahren, was die anderen machen. Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter aus den sozialgenial-Schulen stellen ihre Projekte vor, jeder kann sich vom anderen etwas abschauen und neue, frische Ideen für die eigene Schule mitnehmen.

„Lebensnäher kann man Französisch wohl nicht trainieren“


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sozialgenial gibt es inzwischen in allen Bundesländern und entsprechend viele Projekte gibt es. Sind dir trotzdem in letzter Zeit besonders bemerkenswerte Projekte aufgefallen?

Caroline Deilmann Mir fallen ständig bemerkenswerte Projekte auf! Besonders freue ich mich immer, wenn Lehrkräfte Service Learning in Bereichen umsetzen, die nicht so oft mit Engagement in Verbindung gebracht werden, im MINT-Bereich zum Beispiel. Dabei ist dieser an vielen Schulen ein Schwerpunkt, in den viele Ressourcen fließen. MINT mit einem Engagement zu verbinden ist gar nicht so schwer. In den vergangenen Schuljahren haben beispielsweise Schülerinnen und Schüler eines technischen Berufskollegs mit ihrem im Unterricht erworbenen Klima-Wissen im Projektkurs Projekte für Grundschulen konzipiert und durchgeführt, damit, so ihre Idee, schon ganz junge Schüler sich dem Thema annähern.

Auch toll fand ich ein Projekt im Erdkundeunterricht an einer Sekundarschule. Es ging im Unterricht um Bevölkerungswachstum und demografischen Wandel. Welche Auswirkungen letzterer auf die Gesellschaft hat, haben sich die Schülerinnen und Schüler im Altenheim vor Ort angeguckt und ein Freizeitangebot für die Senioren entwickelt und umgesetzt. Um Zeit für das Projekt zu haben, flog in Absprache mit der Schulleitung ein anderes Thema aus dem Lehrplan, weil alle Beteiligten dem Engagementprojekt einen größeren Nutzen für die Schüler beigemessen haben. So geht es also auch!

Im Französischunterricht an einem Gymnasium haben sich Schüler das Thema Engagement auf Französisch erarbeitet und beim Schüleraustausch in Frankreich zusammen mit den französischen Schülern eine Lebensmittelspende für eine örtliche Hilfsorganisation organisiert. Lebensnäher kann man Französisch wohl nicht trainieren.

bürgerAktiv Gibt es thematische Trends bei den sozialgenial-Projekten?

Caroline Deilmann Tatsächlich ist die Bandbreite sehr groß. Auf unsere monatliche Auszeichnung „sozialgenial-Projekt des Monats“ bewerben sich immer wieder Geschichts- und Demokratieprojekte. Viele Projekte sind im sozialen Bereich angesiedelt, Schülerinnen und Schüler engagieren sich oft für Senioren oder jüngere Kinder, zum Beispiel zur Lese- und Sprachförderung, um Medienkompetenz zu vermitteln oder soziale Kompetenzen zu trainieren.

„Eine gute Möglichkeit, Bildung und Engagement vor Ort zu fördern“


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Kosten die Projekte eigentlich Geld und wenn ja, wo kommt das her?

Caroline Deilmann Das Programm selbst kostet die Schulen nichts, und für die Umsetzung von sozialgenial-Projekten braucht man auch nicht unbedingt Geld. Das hängt natürlich davon ab, wie die Projekte konzipiert sind. Gegebenenfalls ist es Teil des Projekts, Fundraising zu betreiben – auch das muss gelernt werden und es gelingt den Schülerinnen und Schülern auch, wir staunen immer wieder.

Und auch wir können helfen. In einigen Regionen haben wir Förderpartner aus den Reihen der Genossenschaftsbanken, die sozialgenial-Projekte in ihrer Region mit einem sozialgenial hilft-Förderfonds unterstützen, in der Regel mit bis zu 500 Euro pro Projekt und Schuljahr. Das ist ein schönes Add-on für die sozialgenial-Projekte und eine gute und einfache Möglichkeit für die Genossenschaftsbanken, Bildung und Engagement vor Ort zu fördern.

Einige Förderpartner unterstützen uns auch dabei, sozialgenial bundesweit an alle Schulen zu bringen. Das wiederum ist ein schönes Add-on für uns, um schneller mehr Schulen in allen Bundesländern mit unserem Programm zu erreichen.

bürgerAktiv Das Beste zum Schluss: Wie kann man als Schule oder Lehrkraft mitmachen und Zugang zum sozialgenial-Portal erhalten?

Caroline Deilmann Ganz einfach unter www.sozialgenial.de/mitmachen das Anmeldeformular ausfüllen und abschicken. Oder man meldet sich zum Einsteiger-Webinar an, dann wird die Schule auch Mitgliedsschule. Die Termine stehen unter www.sozialgenial.de/veranstaltungen.

Caroline Deilmann ist Programm-Leiterin Service Learning bei der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Die Fragen stellte Gudrun Sonnenberg.
Foto: Werner Kissel/Stiftung Aktive Bürgerschaft

Der Beitrag ist Teil des Fokus EINEN UNTERSCHIED MACHEN der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte August 2026 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

, Ausgabe 280 August 2026, Fokus
Stiftung Aktive Bürgerschaft
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