Wo steht die Zivilgesellschaft aktuell? Darauf blickte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Michael Vilain von der Evangelischen Hochschule Darmstadt im Gespräch „Die Freiheit der Zivilgesellschaft ist Kern unserer demokratischen Gesellschaft“ mit der Fundraising Akademie. Am Beispiel der zivilgesellschaftlichen Hilfe für Geflüchtete 2015 kritisierte er, dass viele Aufgaben danach re-kommunalisiert wurden. Er verwies auf das Subsidiaritätsprinzip in der Verfassung, den Vorrang der jeweils kleineren Einheit vor der größeren. „Dieses Prinzip wird meiner Ansicht nach immer mehr untergraben, indem wir sehr starke staatliche Aktivitäten bis in kleinste Lebensbereiche haben.“ In diesem Sinn ist nach seinen Ausführungen auch staatliche Engagementförderung zweischneidig, da sie einerseits die Zivilgesellschaft in Abhängigkeiten führt und andererseits den Eindruck staatlicher Fernsteuerung hervorrufen kann. Vilain stellte außerdem einen „Verfall von gemeinschaftsstiftenden Narrativen“ fest, nachdem große Organisationen wie die Kirchen oder Gewerkschaften ihre Rolle in der Entwicklung großer Narrative verloren haben. „Die Frage ist, wie organisieren wir die heterogenen Lebensrealitäten oder Bubbles der Menschen, sodass sie sich noch vertreten fühlen“, sagte er. Das Gespräch wurde am 29. August 2025 veröffentlicht.
Zivilgesellschaft: „Subsidiaritätsprinzip wird untergraben“
, Ausgabe 270 September 2025, Wissen