Bürgerstiftungen in Zahlen

    Seit 2006 untersuchen wir die Entwicklungen der Bürgerstiftungen in Deutschland. Dazu erheben wir in einer Umfrage regelmäßig die wichtigsten Finanzkennzahlen aller Bürgerstiftungen. Außerdem gehen wir den Fragen nach, die Bürgerstiftungen aktuell in ihrer Arbeit bewegen.

    Die Ergebnisse unserer Untersuchungen fassen wir im jährlich erscheinenden Report Bürgerstiftungen zusammen. Zusätzlich erfassen wir die Arbeit der Bürgerstiftungen in Benchmarks und machen deren Leistungen damit vergleichbar. So verfügen wir mittlerweile über eine ganze Reihe an aussagekräftigen Zahlen zur Entwicklung, zum Zustand und zu den Potenzialen der Bürgerstiftungen in Deutschland. Alle unsere Ergebnisse bereiten wir in Schaubildern für Sie auf.

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    Bürgerstiftungen gibt es in Deutschland
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    Euro Stiftungskapital besitzen sie zusammen
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    Ehrenamtliche sind in den Bürgerstiftungen aktiv

    Zustiftungen 2016

    26 Mio. Euro

    Bisheriges Stiftungskapital aller Bürgerstiftungen

    360 Mio. Euro

    Spendeneinnahmen 2016

    12,4 Mio. Euro

    Bisherige Spendeneinnahmen aller Bürgerstiftungen

    Mindestens 109 Mio. Euro

    Projektförderung 2016

    17,5 Mio. Euro

    Bisherige Projektförderung aller Bürgerstiftungen

    Mindestens 134 Mio. Euro

    Stifterinnen und Stifter

    ca. 30.000

    Bürgerstiftungen, die von einer Genossenschaftsbank unterstützt werden

    340

    Größte Bürgerstiftung nach Stiftungskapital

    BürgerStiftung Hamburg

    Vorläufig kleinste Bürgerstiftung nach Stiftungskapital

    Bürgerstiftung Kulturerbe Himmelpfort

    Älteste Bürgerstiftung

    Bürgerstiftung Gütersloh

    Vorläufig jüngste Bürgerstiftung

    Bürgerstiftung Kammerstein

    Stand 31.12.2016

    Wer gibt an Bürgerstiftungen

    80,4 %
    Privatpersonen
    12,8 %
    Unternehmen
    5,6 %
    Staat
    1,2 %
    Gesellschaft

    Was fördern Bürgerstiftungen

    47 %
    Bildung & Erziehung
    17 %
    Kunst & Kultur
    15 %
    Soziales
    7 %
    Gesundheit
    14 %
    Andere
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    Bürgerstiftungen verwalten Treuhandstiftungen oder Stiftungsfonds
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    Treuhandstiftungen oder Stiftungsfonds verwalten Bürgerstiftungen insgesamt
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    Euro Gesamtkapital steckt in diesen Treuhandstiftungen und Stiftungsfonds

    Gut ein Drittel der Bürgerstiftungen betreut inzwischen die insgesamt 413 Stiftungsfonds und 295 Treuhandstiftungen. Stiftungsfonds und Treuhandstiftungen tragen dauerhaft den Namen der Stifterin oder des Stifters oder sind mit einem bestimmten Zweck oder einem Regionalnamen verbunden, z. B. für die Förderung von Bildung, von jungen Menschen oder die Integration von Geflüchteten. Mehr als 90 Prozent aller Zustiftungen an Bürgerstiftungen gingen im letzten Jahr an jene 136 Bürgerstiftungen, die als Partner für Stifterinnen und Stifter Stiftungsfonds und Treuhandstiftungen anbieten. Sie leisten Unterstützung bei der Gründung und Verwaltung, bei der Mittelvergabe, bei der Projektentwicklung, im Fundraising, bei der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung mit anderen Organisationen. (Stand: 31.12.2016)

    Report Bürgerstiftungen

    Mit dem „Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends“ erheben wir seit 2006 Daten zur finanziellen Entwicklung –  zum Stiftungskapital, zu Spendeneinnahmen und Förderausgaben – der Bürgerstiftungen in Deutschland.

    Der jährliche Report basiert auf einer Vollerhebung aller Bürgerstiftungen, die den „10 Merkmalen einer Bürgerstiftung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen entsprechen und bis zum 30.06. eines Jahres gegründet wurden. Der Rücklauf liegt bei jährlich über 75 Prozent und wäre ohne die fleißige Mitarbeit der Bürgerstiftungen nicht in dieser Form umsetzbar.

    Die Hälfte aller Bürgerstiftungen startet mit einem Stiftungskapital von rund 80.000 Euro. Auf den ersten Blick sehen Bürgerstiftungen damit wie eine hierzulande häufig auffindbare Stiftungsform aus: unterkapitalisiert. Den Unterschied zu anderen kleineren Stiftungen macht jedoch das Modell der Bürgerstiftung: Ein Kernbestandteil ist der kontinuierliche Aufbau des Stiftungskapitals. Dass Bürgerstiftungen auf Zuwachs angelegt sind, zeigt auch die finanzielle Entwicklung der Bürgerstiftungen. Das Gründungskapital aller 405 Bürgerstiftungen summiert sich auf 63 Millionen Euro (bis zum 31.12.2016). Gut 80 Prozent des heutigen Gesamtvermögens (297 Millionen Euro) sind erst nach der Gründung von Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen eingeworben worden. Auch bei der Betrachtung einzelner Bürgerstiftungen wird dieses Erfolgsmodell deutlich: So wurde die BürgerStiftung Hamburg 1999 mit nur 50.000 Euro gegründet. Heute ist sie die vermögensstärkste Bürgerstiftung mit rund 36 Millionen Euro.

    Wachstumsprognosen

    Im Jahr 2015 haben wir eine Prognose gewagt. Dazu haben wir drei mögliche Wachstumsszenarien für die Bürgerstiftungen bis 2024 entworfen: Den Best Case, die Hochrechnung des bisherigen Wachstums und den Worst Case. 2015 stieg das Stiftungskapital aller Bürgerstiftungen auf 333,8 Millionen Euro.

    Und aktuell zeigt sich: Selbst während der anhaltenden Niedrigzinsen nimmt das Stiftungskapital der Bürgerstiftungen stetig zu und stellt damit den Bürgerstiftungen ein gutes Zeugnis aus. Stifterinnen und Stifter vertrauen diesem Stiftungsmodell. 360 Millionen Euro betrug das Vermögen aller Bürgerstiftungen in Deutschland zum 31.12.2016 (2015: 333,8 Millionen Euro). Damit stieg das Stiftungskapital 2016 um 26 Millionen Euro an, das ist ein Zuwachs von 8 Prozent gegenüber 2015. Auch in den Vorjahren wuchs das Stiftungskapital um 10 bis knapp 20 Prozent per anno. Bisher verläuft das Wachstum der Bürgestiftungen damit linear und liegt stabil zwischen dem von uns entworfenen Best und Worst Case.

    Sie wollen es ganz genau wissen?

    Hier finden Sie Ergebnisse des Reports Bürgerstiftungen aus den letzten Jahren

    Report Bürgerstiftungen 2017
    Report Bürgerstiftungen 2016
    Report Bürgerstiftungen 2015

    Schwerpunkte des Reports Bürgerstiftungen

    Neben den harten Fakten in Form von Finanzkennzahlen, setzen wir beim Report Bürgerstiftungen immer auch einen thematischen Schwerpunkt. Damit nehmen wir uns Themen an, welche die Bürgerstiftungen aktuell besonders bewegen. Die Ergebnisse zeigen zum einen, wie die Bürgerstiftungen in Deutschland funktionieren und bieten zum anderen praktische Hilfen für deren Arbeit.

    Ab dem Jahr 2018 führen wir diese Erhebungen im jährlichen Wechsel mit der Abfrage der Finanzkennzahlen durch. Schwerpunkt in diesem Jahr: Das Freiwilligenmanagement von Bürgerstiftungen. Über die Ergebnisse informieren wir Sie ab Oktober an dieser Stelle.

    Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Ergebnisse der Schwerpunktuntersuchungen der vergangenen Jahre.

    Gremien: Ehrenamtliches Engagement mit hohem Zeiteinsatz und Gestaltungswillen

    Über 5.000 Frauen und Männer verantworten ehrenamtlich im Vorstand (Exekutivorgan) oder Stiftungsrat bzw. Kuratorium (Aufsichtsorgan) die Arbeit der Bürgerstiftung.

    Ihre Führungs- und Leitungsaufgaben sind anspruchsvoll: Bürgerstiftungen verwalten zum Teil nicht unbeträchtliches Stiftungskapital, das sowohl sicher als auch ertragreich angelegt sein will, um damit nachhaltig Erträge zu erwirtschaften – eine besondere Herausforderung in Zeiten niedriger Zinsen. Bürgerstiftungen setzen eigene Projekte um und treffen Förderentscheidungen. Oft sind damit mehrjährige finanzielle Zusagen verbunden, auf die gemeinnützige Vereine und Initiativen vertrauen. Teilweise arbeiten sie mit mehreren hundert Ehrenamtlichen zusammen, die sie gewinnen, begleiten und qualifizieren. Bei der Beratung von Stifterinnen und Stiftern und bei testamentarischen Zuwendungen bedarf es finanzieller und (steuer-)rechtlicher Kompetenz. Sie arbeiten mit den verschiedensten Akteuren vor Ort zusammen und gehen Kooperationen ein. Nicht zuletzt haben die Gremien die üblichen Managementaufgaben einer gemeinnützigen Organisation zu bewältigen, gesetzliche Vorschriften und fachliche Regeln zu beachten. Es wird deutlich: Eine Bürgerstiftung ehrenamtlich zu führen, setzt Verantwortungsbereitschaft, Zeit, Tatkraft und dafür notwendige Kompetenzen und Fähigkeiten voraus.

    Hoher Zeitaufwand

    Die Gremienmitglieder engagieren sich mit hohem Zeitaufwand für die Bürgerstiftung. Knapp die Hälfte der Vorstandsvorsitzenden wenden monatlich mehr als 20 Stunden für die Bürgerstiftung auf. Knapp ein Drittel der Vorstandsmitglieder ist mit über 20 Stunden pro Monat aktiv. Auch die Stiftungsräte setzen viel Zeit ein: mehrheitlich zwischen zwei bis neun Stunden im Monat.

    Die zeitliche Differenz zwischen Vorständen und Stiftungsräten kann damit erklärt werden, dass Vorstände die operative und zeitintensive Gremienarbeit übernehmen, wie zum Beispiel die Stiftergewinnung, Fundraising und Projektmanagement, während Stiftungsräte häufig die Bürgerstiftung in der Öffentlichkeit repräsentieren und ihrer Aufsichtspflicht nachkommen.

    Durchschnittlich sind die Gremienmitglieder seit sechs Jahren als Vorstand oder Stiftungsrat aktiv. Dabei verändern sich die Mitglieder innerhalb der Gremien durchaus: Manche Gremienmitglieder wechseln innerhalb des Gremiums ihre Funktion oder vom Vorstand in den Stiftungsrat und umgekehrt. Die Hälfte übt dabei eine Funktion mehr als fünf Jahre aus.

    Ausgeprägter Gestaltungswille

    Warum ist jemand als Vorstand oder Stiftungsrat für eine Bürgerstiftung aktiv? Unsere repräsentative Personenumfrage nach den individuellen Gründen für das Engagement unter den Gremienmitgliedern zeigt: Der gesellschaftliche Gestaltungswille steht im Vordergrund.

    Die sechs am häufigsten genannten Gründe beziehen sich auf Aussagen mit diesem Schwerpunkt – im Vergleich zu eher individuell-privaten Engagementgründen.

    Für die meisten Vorstände und Stiftungsräte steht die grundsätzliche Bedeutsamkeit von bürgerschaftlichem Engagement im Vordergrund: „weil ich privates / bürgerschaftliches Engagement gut finde“ (86 Prozent der Vorstände und 85 Prozent der Stiftungsräte). Danach folgen mit mehr als zwei Dritteln Zustimmung Aussagen, die für eine aktive Gestaltungsorientierung stehen: „das Leben vor Ort attraktiver zu machen, um die Lebensqualität vor Ort zu erhalten oder zu verbessern“ (71 Prozent, 75 Prozent), „weil ich das Gefühl habe, mit meiner Tätigkeit etwas zu bewegen“ (68 Prozent, 57 Prozent), „weil ich es gut finde, dass die Bürgerstiftung andere dabei unterstützt, ihr Engagement umzusetzen“ (68 Prozent, 67 Prozent) und „weil mir das Thema bzw. die Projekte und die Gruppen besonders am Herz liegen“ (65 Prozent, 68 Prozent). Gründe, die eher für die individuelle Sinngebung, erfahrene Wertschätzung oder die Bereicherung des eigenen Lebens stehen, spielen dagegen eine nachrangigere Rolle. Das in diesem Bereich am häufigsten genannte Item „weil mir das Engagement Freude bereitet“ steht erst an 7. Stelle (60 Prozent, 55 Prozent).

    Dieser Befund erhärtet sich beim Vergleich der Angaben der Gremienmitglieder der Bürgerstiftungen mit Angaben von deutschlandweit ehrenamtlich Engagierten „mit einem Ehrenamt oder einer festen Aufgabe“ (Allensbach-Umfrage 2013): Der Grund, mit dem Engagement etwas zu verbessern und zu bewegen, ist bei den Gremienmitgliedern der Bürgerstiftungen ausgeprägter, während die Sinngebung aufgrund einer bedeutsamen Aufgabe geringe Bedeutung hat.

    Aktive Mitglieder der lokalen Zivilgesellschaft

    Die Gremienmitglieder der Bürgerstiftungen sind vielerorts aktive Mitglieder der lokalen Zivilgesellschaft: 89 Prozent waren im letzten Jahr auch außerhalb der Bürgerstiftung engagiert, zum Beispiel 58 Prozent in einem Verein und 28 Prozent in nicht formal organisierten Gruppen/Netzwerken wie zum Beispiel der Flüchtlingshilfe. Diese Mehrfachengagements unterstreichen den gesellschaftlichen Gestaltungswillen der Bürgerstiftungsengagierten. Weiterhin verfügen jene mehrfach engagierten Gremienmitglieder auch über lokale Netzwerke, können Erfahrungen und Wissen aus anderen gemeinnützigen Bereichen in die Arbeit der Bürgerstiftung einbringen, beispielsweise bei Förderentscheidungen und der Beratung von Stiftern. Auch für Bürgerstiftungen, die ihre Fördertätigkeit von kleineren Projekten zu einer strukturelleren Arbeit ausrichten, gemeinsam mit anderen Akteuren vor Ort gesellschaftspolitische Akzente setzen wollen, ist ein solches Mehrfachengagement der Gremienmitglieder wertvoll.

    Gremienkompetenz

    Die Bürgerstiftung lebt von diesen individuellen Persönlichkeiten, die in einer Stadt oder Region agieren und bereit sind, in den Gremien ehrenamtlich aktiv zu sein. Gleichwohl ist die ehrenamtliche Führung und Leitung einer Bürgerstiftung kein „Management nach Feierabend“ (Clausen 2002). Sie ist an Kompetenzen und Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen gebunden, zum Beispiel in der Stiftergewinnung und -beratung, Vermögensverwaltung und der Öffentlichkeitsarbeit. Diese lassen sich unter den Gremienmitgliedern der Bürgerstiftungen finden. Sie bringen für die Bürgerstiftung notwendige Fähigkeiten und Kompetenzen unter anderem aus Ausbildung, Studium und Beruf mit. In knapp der Hälfte aller Bürgerstiftungen sind Anwälte und Notare im Vorstand engagiert, im Stiftungsrat sind es 61 Prozent. Geschäftsführer kleiner und mittelgroßer Unternehmen sind in der Hälfte der Vorstände engagiert, 70 Prozent im Stiftungsrat. Bankangehörige sind in der Hälfte aller Vorstände und Stiftungsräte vertreten. Lehrer und Hochschullehrer, Angestellte der Öffentlichen Verwaltung sind jeweils bei einem Drittel (33 Prozent) anzutreffen.

    Somit bestätigt sich auf den ersten Blick die bestehende Kritik an Bürgerstiftungen, tendenziell durch „Angehörige sozialer Eliten“ (Sandberg 2013) vertreten zu sein. Während die Diversifizierung der Gremien aus vielen Gründen, nicht zuletzt zugunsten der für Bürgerstiftungen selbst wichtigen stärkeren Verankerung in der breiten Bevölkerung, notwendig ist, gilt es, die bestehenden Anforderungen an die Kompetenzen der Gremien einerseits und die strukturell festgeschriebene wirtschaftliche, parteipolitische und konfessionelle Unabhängigkeit (10 Merkmale einer Bürgerstiftung) andererseits bei der Wertschätzung des Stiftungsmodells nicht zu unterschätzen.

    Unterschiede zwischen Frauen und Männern

    Männer sind in den Gremien der Bürgerstiftungen deutlich stärker vertreten (72 Prozent) als Frauen (28 Prozent), die Gremien unterscheiden sich hier minimal, in den Vorständen sind 30 Prozent Frauen, 70 Prozent Männer vertreten; in den Stiftungsräten bzw. Kuratorien sind 27 Prozent Frauen, 73 Prozent Männer anzutreffen. Damit setzt sich in Gremien von Bürgerstiftungen eine Geschlechterverteilung fort, wie sie auch im Hinblick auf andere Führungspositionen anzutreffen ist.

    Engagement im Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand

    Ältere Menschen haben heute eine weit höhere Lebenserwartung als die vorherigen Generationen, sie sind gesünder und aktiver. Diese Entwicklung kommt auch den Bürgerstiftungen zugute. Ein Drittel der Gremienmitglieder ist zwischen 60 und 69 Jahre alt (Vorstände 28 Prozent, Stiftungsräte 31 Prozent), auch die 70-Jährigen und Ältere sind in der Bürgerstiftung aktiv (Vorstände 15 Prozent, Stiftungsräte 27 Prozent). Die Mehrheit der Gremienmitglieder ist zu Beginn der Tätigkeit berufstätig (Vorstände 74 Prozent, Stiftungsräte 82 Prozent); knapp zwei Drittel nutzen den Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand als Einstieg in das Engagement bei der Bürgerstiftung. Zum Beispiel managt ein ehemaliger Unternehmer als Vorstandsvorsitzender eine Bürgerstiftung full-time. Eine Redakteurin einer Lokalzeitung mit über 30 Jahren Berufserfahrung übernimmt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bürgerstiftung. Ein pensionierter Fachbereichsleiter einer Schule bringt seine Expertise bei den Bildungsprojekten der Bürgerstiftung ein.

    Gremiennachfolge: “Staffelübergabe” gestalten

    Wie viele andere gemeinnützige Organisationen stehen auch Bürgerstiftungen vor der Herausforderung, für das oftmals anspruchsvolle Ehrenamt der Gremienarbeit Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden. „Um Jüngeren und neuen Ideen Platz zu machen“, so verabschiedete sich altersbedingt eine Vorstandsfrau. Dass immer wieder neue Energie und Ideen in die Gremienarbeit hineingebracht werden, spielt eine entscheidende Rolle für die Zukunftsfähigkeit einer Bürgerstiftung. Oftmals haben Bürgerstiftungen den Wechsel der Gremienmitglieder in den Satzungen festgeschrieben. Bei einigen Bürgerstiftungen folgt bereits auf die Gründungsstifter die nächste Generation. Die Suche nach geeigneten Vorständen und Stiftungsräten steht bei jeder Bürgerstiftung irgendwann an. Darum münden die Ergebnisse der diesjährigen Untersuchungen auch in die Beratung und Unterstützung von Bürgerstiftungen und stehen für diese zum Download in unserem Online-Portal CampusAktiv bereit.

    Ehrenamtliches Engagement in Bürgerstiftungen von Hauptamtlichen unterstützt

    Bürgerstiftungen werden in hohem Maße von ehrenamtlichem Engagement getragen. Jede fünfte Bürgerstiftung arbeitet aber auch mit Hauptamtlichen zusammen. Das ergab unsere Sonderumfrage 2016. Am häufigsten sind sie als renten- und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte angestellt (rund 50 Prozent), danach folgen geringfügig Beschäftigte (rund 25 Prozent) und Honorarkräfte (rund 20 Prozent). Personen, die einen Freiwilligendienst oder ein bezahltes Praktikum ableisten oder eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung („1-Euro-Jobber“) wahrnehmen, sind derzeit kaum bei Bürgerstiftungen tätig (insgesamt 5 Prozent).

    Die meisten Bürgerstiftungen beschäftigen einen (44 Prozent) oder zwei bis vier Hauptamtliche (37 Prozent). Nur 5 Prozent arbeiten mit zehn oder mehr Hauptamtlichen zusammen. In der Regel handelt es sich nicht um Vollzeit bzw. vollzeitnahe Stellen (ab 35 Wochenarbeitsstunden, 15 Prozent), sondern um Teilzeitbeschäftigung unter 15 Stunden (48 Prozent) bzw. zwischen 16 und 34 Stunden (36 Prozent).

    Hauptamtliche sind vor allem in der Projektarbeit sowie in der Büroorganisation/Buchhaltung/Verwaltung tätig (jeweils rund 25 Prozent der Arbeitsstunden entfallen auf diese Bereiche). Geschäftsführung, Öffentlichkeitsarbeit, Freiwilligenmanagement und Veranstaltungsmanagement (je rund 10 Prozent) werden etwas häufiger als Fundraising, Vermögensverwaltung und Stifterbetreuung (zwischen 2 Prozent und 5 Prozent) von Hauptamtlichen übernommen. Dies zeigt aber, dass Aufgaben jenseits von Projektarbeit und Büro hauptsächlich von Ehrenamtlichen wahrgenommen werden.

    Die Hauptamtlichen werden mehrheitlich aus Eigenmitteln der Stiftung finanziert: 42 Prozent der jährlich geleisteten Arbeitsstunden wird aus Stiftungserträgen, Spenden, Einnahmen aus einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, Mieteinnahmen oder Bußgeldern bezahlt. 17 Prozent stammen aus privaten Projektmitteln von Unternehmen oder Stiftungen, 14 Prozent von öffentlichen Projektmitteln von Kommunen, Land, Bund oder öffentlichen Programmen wie Soziale Stadt und Aktion Mensch. In ähnlichem Umfang (15 Prozent) sind Arbeitsstunden mischfinanziert aus Eigenmitteln und anderen privaten Mitteln. Andere Mischfinanzierungsformen sind selten (insgesamt 10 Prozent).

    Bürgerstiftungsengagement basiert auf ehrenamtlichem Engagement, wird aber in einigen Arbeitsbereichen von Hauptamtlichen unterstützt. Dies ist zwar (noch) nicht der Alltag bei Bürgerstiftungen in Deutschland, aber nicht mehr ungewöhnlich.

    Bürgerstiftungen: Engagiert in der Flüchtlingsarbeit

    Spätestens seit dem Sommer 2015 sehen sich deutschlandweit viele Kommunen großen gesellschaftlichen Herausforderungen gegenüber, die die vergleichsweise hohe Anzahl geflüchteter Menschen mit sich bringen. Neben den Aufgaben zur Versorgung und Betreuung der Geflüchteten sind das auch die menschenfeindlichen Polemiken und Aktionen von Einheimischen. Viele Menschen vor Ort tragen mit ihrem Engagement dazu bei, diese Herausforderungen zu stemmen. Als lokale zivilgesellschaftliche Akteure haben auch Bürgerstiftungen die Herausforderungen angenommen und sich in ganz unterschiedlicher Weise für und mit Geflüchteten engagiert. In einer empirischen Untersuchung zur Flüchtlingsarbeit von Bürgerstiftungen haben wir deren Aktivitäten im Zeitraum Januar 2014 bis März 2016 im Spiegel der grundlegenden vier Aufgaben von Bürgerstiftungen analysiert.

    Als „Aktivität“ zählen alle Engagementformen der Bürgerstiftungen, die zum Ziel haben, Geflüchtete direkt zu unterstützen, Freiwillige und Stifter in ihrem Engagement zu stärken, die Aufnahmegesellschaft in der neuen Situation zu begleiten oder fremdenfeindlichen Mobilisierungen entgegenzutreten. Hinsichtlich des Umfangs und der Beschaffenheit sind die „Aktivitäten“ nicht vergleichbar, denn sie reichen von einmaligen Spenden bis hin zur Koordination von Netzwerken in der Flüchtlingsarbeit, Ehrung von Engagierten oder eigenen Unterstützungsprojekten. Als Datengrundlage dienten erstens die online verfügbaren Texte der 400 Bürgerstiftungen über ihr Engagement für und mit Geflüchteten, insbesondere auf den Bürgerstiftungs-Homepages, in Stifterbriefen und auf Facebook. Zweitens wurden auch online verfügbare regionale und überregionale Zeitungsartikel ausgewertet. Somit sind sowohl die von Bürgerstiftungen kommunizierten Inhalte, als auch die Berichte über Bürgerstiftungen berücksichtigt.

    Die aus diesen Daten generierten Informationen wurden zu „Aktivitäten“ verdichtet und in der Regel einer von insgesamt 39 Unterkategorien zugeordnet. Das Kategoriensystem wurde zunächst anhand der allgemeinen Darstellung der „vier Aufgaben von Bürgerstiftungen“ für die Flüchtlingsarbeit abgeleitet und dann im Kontext der Datenerhebung erweitert. Insgesamt sind 714 Aktivitäten erfasst.

    Mehrzahl der Bürgerstiftungen ist in der Flüchtlingsarbeit aktiv

    Über die Hälfte aller Bürgerstiftungen ist in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Engagiert sind sowohl Bürgerstiftungen, die schon seit vielen Jahren im Bereich Integration Erfahrungen gesammelt haben, als auch solche, die die aktuellen Herausforderungen vor Ort neu aufgegriffen haben. Bei ungefähr jeder sechsten Aktivität der Bürgerstiftungen engagierten sich Geflüchtete selbst, beispielsweise in Fahrradwerkstätten, bei Veranstaltungen oder bei der Unterstützung anderer Geflüchteter. Mindestens 20 Prozent aller Bürgerstiftungen haben einen Schwerpunkt ihrer Arbeit im Bereich Flüchtlingsarbeit gelegt. “Schwerpunkt-Bürgerstiftungen” sind solche, die im  Erhebungszeitraum explizit eine Schwerpunktsetzung kommuniziert haben (52) und solche, die aufgrund des Umfangs und Profils ihres Engagements eine Schwerpunktsetzung nahelegen (29).

    Typische Aktivitäten von Bürgerstiftungen mit einem Schwerpunkt in der Flüchtlingsarbeit

    Auf Basis der Engagements der Schwerpunkt-Bürgerstiftungen haben wir zehn typische Aktivitäten von Bürgerstiftungen herausgearbeitet.

    1. Einrichten und Verwalten von Spendenkonten oder Spendenfonds: In zahlreichen Kommunen übernahmen die Bürgerstiftungen die Koordination der Spendensammlungen für die Engagierten. Sie richteten ein Spendenkonto ein, verwalteten es und warben Spenden ein. Oftmals sind sie auch für die Mittelvergabe zuständig. In den meisten Fällen fungierten die Spendenkonten als zentrale Spendensammelstelle in den Kommunen. Deren Ziel ist es, die Engagierten möglichst unbürokratisch und schnell finanziell zu unterstützen.
    2. Fundraising für Flüchtlingsarbeit: Etliche Bürgerstiftungen haben spezielle Fundraising-Aktionen für Geflüchtete veranstaltet, beispielsweise einen Spendensammlungsstand am Weihnachtsmarkt. Hierbei konnten einige Bürgerstiftungen bereits etablierte Fundraisingaktivitäten dem speziellen Zweck der Flüchtlingsarbeit widmen. Vielfach wurden auch Veranstaltungen der Bürgerstiftung, wie zum Beispiel Konzerte, durch einen Spendenaufruf begleitet.
    3. Schwerpunktsetzung bei den Förderausgaben: Einige Bürgerstiftungen haben für einen gewissen Zeitraum bei den eigenen Förderausgaben den Schwerpunkt auf die Flüchtlingshilfe gelegt. So konnten sie entweder die der Bürgerstiftung im Allgemeinen zur Verfügung stehenden Mittel, aber auch die Mittel spezieller Fonds oder Treuhandstiftungen für die Flüchtlingshilfe einsetzen. Die Ausschüttungen wurden teilweise bewusst als öffentliche Positionierung (siehe Punkt 10) gegen fremdenfeindliche Ressentiments genutzt. In Einzelfällen wurden auch Geflüchtete selbst in die Entscheidung über die Vergabe der Förderausgaben eingebunden.
    4. Unterstützung und Würdigung der Ehrenamtlichen: Jenseits der finanziellen Unterstützung der Engagierten haben Bürgerstiftungen das zivilgesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger fachlich und organisatorisch unterstützt und öffentlich gewürdigt. Die Aktivitäten reichten von der organisatorischen Unterstützung einzelner Aktionen, wie beispielsweise einer von Studierenden initiierten Willkommensfeier, über Fortbildungsprogramme oder Supervision von Engagierten bis hin zur Koordinierung von Ehrenamtlichen. Oft übernahmen dies die bei einigen Bürgerstiftungen angeschlossenen Ehrenamtsagenturen. Die Würdigung und Anerkennung der Engagierten erreichten einige Bürgerstiftungen über die Ausrufung eines Sonderpreises bei ihrem jährlichen Engagementpreis oder die Preisvergabe an Initiativen in der Flüchtlingshilfe. Eine weitere Bürgerstiftung nutzte eine Kooperation mit einer regionalen Zeitung, um die Engagierten in der Öffentlichkeit zu würdigen. Neben der öffentlichen Ehrung drückten einige Bürgerstiftungen den Engagierten ihre Anerkennung auch durch spezielle Veranstaltungen aus, die die Engagierten neben der verbalen Würdigung direkt in ihrem Engagement unterstützen. Beispielsweise wurden Engagierte zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen, das gleichzeitig Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten für die Freiwilligen bot.
    5. Initiierung und Mitwirkung an lokalen Bündnissen oder Netzwerken für die Flüchtlingshilfe: Im Kontext des breiten Engagements vor Ort und der oftmals überforderten Kommunalverwaltungen haben Bürgerstiftungen entweder Netzwerke für die Flüchtlingshilfe initiiert oder als Partner mitgewirkt. In der Regel waren in diesen Netzwerken neben der Kommune und der Bürgerstiftung lokale Vereine, Initiativen und oftmals auch Kirchengemeinden aktiv. In einigen Fällen ging damit auch eine Bedarfsanalyse einher, bei der die Bürgerstiftungen ihre Vernetzung vor Ort nutzen konnten.
    6. Öffnung und Erweiterung erprobter Projekte: Projekte, die von der Bürgerstiftung schon länger gefördert oder durchgeführt werden, wurden für die Neuangekommenen erweitert oder für spezielle Gruppen, insbesondere unbegleitete Minderjährige, Frauen und Kinder, angepasst. Beispielsweise wurden die aus ihrer Heimat vertriebenen Kinder bei der Förderung von Kinderfreizeiten und Sportangeboten berücksichtigt oder bei bestehenden Projekten zum Spracherwerb gezielt angesprochen.
    7. Gelegenheiten zu Begegnung und Austausch von Geflüchteten und Einheimischen: Bürgerstiftungen haben etliche Veranstaltungen initiiert oder Räume geschaffen, um den Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen zu fördern. Um einen ersten Kontakt von Neubürgern und Altbürgern zu ermöglichen, haben Bürgerstiftungen bereits etablierte Veranstaltungen wie z.B. den Bürgerbrunch genutzt, um Geflüchtete einzuladen, oder haben sie in das offizielle Programm integriert. Auch Musik-, Sport- und Kulturveranstaltungen, die eher ohne die oftmals hemmende Sprachbarriere gemeinsam besucht werden können, wurden durchgeführt oder gefördert. Zudem wurden Sprachkurse als Patenprojekte angeboten, so dass neben dem Spracherwerb auch soziale Kontakte zwischen Geflüchteten und Einheimischen hergestellt wurden.
    8. Orientierungsprojekte und Hilfen im Alltag: Während der ersten Tage und Wochen nach ihrer Ankunft haben Bürgerstiftungen den Geflüchteten ihre Stadt gezeigt und typische – deutsche und regionale – Gepflogenheiten erklärt. Auch haben Ehrenamtliche der Bürgerstiftungen direkte Hilfe zum Beispiel bei Ämtergängen oder Arztbesuchen geleistet. Oftmals konnten dabei auch Kontakte zu Vereinen vor Ort oder das Netzwerk innerhalb der Bürgerstiftung genutzt werden. Auch Menschen, die selbst erst relativ kurz in der Region leben, haben sich bei diesen Aktivitäten engagiert.
    9. Projekte zum besseren Verständnis der Lebenssituation von Geflüchteten: Parallel zu den direkten Unterstützungsleistungen für Engagierte oder Geflüchtete haben einige Bürgerstiftungen Projekte durchgeführt oder gefördert, die das Verständnis für die Geflüchteten in der Region verstärken sollen. Beispielsweise haben Ehrenamtliche einer Bürgerstiftung gemeinsam mit geflüchteten Frauen in Schulen über Flucht und Integration gesprochen oder ein Theaterstück wurde gemeinsam mit Geflüchteten entwickelt und aufgeführt.
    10. Öffentliche Positionierung für Vielfalt und Integration: Bürgerstiftungen haben in unterschiedlichen Formen Position gegen fremdenfeindliche Stimmen und Populismus bezogen und die Chancen betont, die Migration für eine Stadt oder Region bietet. Viele Bürgerstiftungen haben sich beispielsweise auf ihrer Homepage für die Unterstützung von Flüchtlingen ausgesprochen oder haben sich bei lokalen öffentlichkeitswirksamen Aktionen beteiligt, die sich für Integration und Toleranz starkmachen. Ebenso wurden Publikationen wie zum Beispiel öffentliche Briefe, Leserbriefe und Flyer veröffentlicht, in denen für ein produktives Miteinander geworben und an die gesellschaftlichen Werte des Grundgesetzes erinnert wurde. Mit öffentlichen Informations- und Diskussionsabenden haben Bürgerstiftungen die Situation im lokalen Raum begleitet.

    Die hier beschriebenen “typischen Aktivitäten” unterscheiden sich in ihrer Bedeutung für die Bürgerstiftung erheblich. Teilweise haben sie den Charakter einer umfassenden Rolle als zivilgesellschaftlicher Akteur vor Ort, wie die Initiierung und Mitwirkung in Netzwerken oder als zentraler Anlaufpunkt für Spenden. Teilweise beschreiben die “typischen Aktivitäten” häufig dokumentierte konkrete Einzelaktivitäten, wie z.B. Orientierungsprojekte oder Projekte zum besseren Verständnis der Lebenssituation von Geflüchteten. Eine Schwerpunkt-Bürgerstiftung zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass sie mehrere dieser „typischen Aktivitäten“ im Untersuchungszeitraum nacheinander oder gleichzeitig durchführte.

    Flüchtlingsarbeit im Spiegel der Aufgaben von Bürgerstiftungen

    Die Bürgerstiftungsarbeit lässt sich in vier verschiedene Aufgaben unterteilen: Partner für Stifter sein, mit Fundraising Mittel für das lokale Gemeinwesen beschaffen, Gesellschaft mitgestalten mittels Projektförderung oder operativer Projekte und als „Stimme des Gemeinwesens“ oder „Lobbyist“ das Bürgerengagement stärken. Auch wenn die hier erfassten Aktivitäten in Umfang und Aufwand nicht vergleichbar sind, lässt die Verteilung der Aktivitäten auf die vier verschiedenen Aufgaben Schwerpunkte der Bürgerstiftungsarbeit erkennen. So zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt bei der Aufgabe, die „Gesellschaft mitzugestalten“: 56 Prozent der Aktivitäten lassen sich hier zuordnen. Auch die Aufgabe als „Stimme des Gemeinwesens“ zu agieren, wurde stark wahrgenommen (28 Prozent). Deutlich geringer gingen Bürgerstiftungen der Aufgabe des „Fundraisings“ (15 Prozent) nach und sehr gering der des „Partners für Stifter“ (1 Prozent).

    Dieses Ergebnis muss vor dem Hintergrund von drei methodischen Einschränkungen betrachtet werden: Erstens werden die beiden letztgenannten, weniger stark wahrgenommenen Aufgaben seltener öffentlich kommuniziert. Da die Grundlage für die Untersuchung aber die schriftlich online kommunizierten Aktivitäten in der Flüchtlingsarbeit sind, sind diese Aufgabenbereiche in der Untersuchung unterrepräsentiert. Zweitens priorisiert die Untersuchung eines speziellen, zudem aktuell hochbrisanten Engagementbereichs die Aufgabenbereiche „Gesellschaft mitgestalten“ und „Stimme des Gemeinwesens“. Gerade im Aufgabenbereich „Partner für Stifter“ ist die Flüchtlingsarbeit vermutlich zu speziell. Ein anderes Bild dürfte sich ergeben, wenn das Thema „Integration“ im Allgemeinen untersucht worden wäre. Drittens bringt die Art der Auswertung mit sich, dass ein, möglicherweise groß angelegtes, Fundraising oder die Verwaltung eines Fonds nur einmalig gezählt wird, Förderausgaben aber meist mehrfach zu Buche schlagen, weil in der Regel mehr als ein Projekt mit den Mitteln gefördert wird. Gleichwohl kann diese Darstellung dazu anregen, die besonderen Aufgaben einer Bürgerstiftung im Bereich der Finanzbeschaffung und des Stifter-Dienstleisters hervorzuheben.

    Fazit: Bürgerstiftungen bringen sich aktiv in der Flüchtlingsarbeit vor Ort ein und gestalten die Gesellschaft durch umfangreiche operative Projekte und Förderprojekte mit. Jenseits dessen nehmen sie aber auch ihre spezifische Bürgerstiftungs-Aufgaben als “Stimme des Gemeinwesens” wahr: finanzielle und organisatorische Stärkung der Engagierten und der Engagementstruktur, lokale Vernetzung, Würdigung der Engagierten und öffentliche Diskussion.

    Bürgerstiftung heißt Engagement von Bürgern für Bürger seit dem Entstehen der ersten Bürgerstiftungen vor 20 Jahren. Ohne dieses gesellschaftliche Engagement wären die über 400 lokal tätigen Bürgerstiftungen in Deutschland nicht das, was sie heute sind: Eine starke Stiftergruppe mit 30.000 Stifterinnen und Stiftern, 15.000 Ehrenamtlichen in ihren Gremien, Arbeitsgruppen und Projekten, einem Stiftungskapital von 360 Millionen Euro und einem Fördervolumen für lokale gemeinnützige Anliegen von mindestens 134 Millionen Euro .

    Benchmarks

    Mit den Benchmarks vergleichen wir die Leistungen der einzelnen Bürgerstiftungen in den Bereichen  Vermögenswachstum, Spendeneinnahmen und Projektförderung. Damit wollen wir die Gremien motivieren und beim strategischen Management ihrer Bürgerstiftungen unterstützen.

    Zugleich werfen wir einen Blick in die Zukunft: Denn was heute die Top-Ten-Bürgerstiftungen an Spitzenleistungen in den drei Kategorien erbringen, wird in künftigen Jahren zur Alltagsbilanz der meisten Bürgerstiftungen in Deutschland gehören.

    Vermögenswachstum

    Spendeneinnahmen

    Projektförderung

    Schaubilder

    Hier bieten wir Ihnen alle Schaubilder des Reports Bürgerstiftungen in Druckqualität zum Download an. Klicken Sie hierzu einfach auf das entsprechende Schaubild und speichern Sie es dann mit einem Rechtsklick auf “Grafik speichern unter…”.

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