Modell Bürgerstiftung

    Was sind Bürgerstiftungen?

    Bürgerstiftungen engagieren sich lokal. Dort, wo Menschen leben und arbeiten, für gemeinnützige Anliegen in einer Gemeinde, Stadt oder Region.

    Bürgerstiftungen sind Mitmach-Stiftungen. Jeder kann sich ehrenamtlich in einer Stiftung von Bürgern für Bürger engagieren und so die Gesellschaft vor Ort mitgestalten – mit Geld, Zeit und Ideen. Für ein gutes Zusammenleben, für bessere Startchancen von Kindern und Jugendlichen, für die Integration von Geflüchteten, für Kultur, Denkmal- oder Umweltschutz.

    Bürgerstiftungen schaffen Bleibendes. Bürgerstiftungen bauen langfristig einen Kapitalstock auf, um aus den Erträgen und durch zusätzliche Spenden lokale gemeinnützige Vereine und Initiativen zu fördern oder eigene Projekte umzusetzen. Wer die Idee für eine eigene Stiftung hat, kann diese unter dem Dach einer Bürgerstiftung verwirklichen. Da das Stiftungskapital auf ewig angelegt ist, dienen Bürgerstiftungen auch künftigen Generationen.

    10 Merkmale einer Bürgerstiftung

    Eine Stiftung ist dann eine Bürgerstiftung, wenn ihre Satzung die „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ erfüllt.

    Bürgerstiftungen sind Möglichmacher. Mit ihrem zivilgesellschaftlichen Eigenkapital und ehrenamtlicher Tatkraft sind Bürgerstiftungen in der Lage, schnell und unbürokratisch gesellschaftliche Herausforderungen vor Ort anzugehen. Da sie einen breiten Stiftungszweck haben, können sie sich für verschiedenste gemeinnützige Anliegen engagieren.

    Bürgerstiftungen sind wirtschaftlich und politisch unabhängig. Sie sind ihrer Satzung verpflichtet, sie folgen keiner parteipolitischen oder konfessionellen Richtung. Die staatliche Stiftungsaufsicht stellt sicher, dass die Bürgerstiftungen im Einklang mit den Gesetzen und der Stiftungssatzung verwaltet werden. Das Finanzamt kontrolliert, ob die Mittel für die in der Satzung bestimmten gemeinnützigen Zwecke verwendet werden.

    Wofür engagieren sich Bürgerstiftungen?

    Typisch für Bürgerstiftungen ist ihr breiter Stiftungszweck, mit dem sie sich für vielfältige gemeinnützige Zwecke einsetzen können – z.B. für Bildung und Erziehung, Kultur und Soziales, für die Integration von Geflüchteten, für Umwelt- und Naturschutz, in der Denkmalpflege. Das Wirken der Bürgerstiftungen konzentriert sich dabei auf ein lokal oder regional bestimmtes Gebiet – auf eine Gemeinde, Stadt oder Region. Dort fördern sie andere gemeinnützige Organisationen und/oder sind selbst operativ tätig, indem sie eigene Projekte umsetzen. Aufgrund des breiten Stiftungszwecks können Bürgerstiftungen fast überall dort tätig werden, wo sich lokal gesellschaftliche Herausforderungen stellen.

    Wofür sich Bürgerstiftungen konkret engagieren, zeigen die Gewinner des Förderpreises Aktive Bürgerschaft.

    Mitmachen! Mit Geld, Zeit, Ideen.

    Erfahren Sie, wie Sie als Stifterin oder Stifter, mit einer Spende oder mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement in einem Gremium oder in einem der vielfältigen Projekte einer Bürgerstiftung aktiv werden können.

    Eine eigene Stiftung gründen?

    Sie haben den Wunsch, eine eigene Stiftung zu gründen? Mit ihrem breiten Stiftungszweck kommen Bürgerstiftungen für viele gemeinnützige Anliegen in Frage.

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    Wenn der Bürgermeister eine Bürgerstiftung gründen will?

    In vielen Städten und Gemeinden funktioniert das Miteinander von Bürgerstiftung und Kommune gut. Aus Sicht der Bürgerstiftungen sind jedoch leider immer wieder Vereinnahmungsversuche zu registrieren. Lokalpolitiker oder Mitarbeiter der Kommunalverwaltung, die das Thema Bürgerstiftung vor Ort aufgreifen, sollten sich dieser Problematik bewusst sein und sensibel damit umgehen. Die folgenden Hinweise können helfen, typische Probleme zu vermeiden.

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    Eine Bürgerstiftung initiieren?

    Am Anfang einer Bürgerstiftung steht meist eine kleinere Gruppe Menschen, die die Idee einer Stiftung von Bürgern für Bürger teilt und eine solche Stiftung in ihrer Stadt oder Region ins Leben ruft. Wenn Sie eine Bürgerstiftung initiieren möchten, beraten wir Sie von Anfang an.

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    Eine Idee, die Früchte trägt.

    Seit über 20 Jahren entstehen überall in Deutschland Bürgerstiftungen. 1996 und 1997 nahm die Erfolgsgeschichte in Gütersloh und Hannover ihren Anfang. Heute sind Bürgerstiftungen eine starke Stiftergruppe: Über 45.000 Menschen engagieren sich für die derzeit über 400  Stiftungen von Bürgern für Bürger. Ihr Stiftungskapital ist bisher auf insgesamt 360 Mio. Euro angewachsen.

    Wie arbeiten Bürgerstiftungen?

    • Die Grundidee einer Bürgerstiftung ist, dass sich Privatpersonen, Unternehmen, Vereine und andere Organisationen gemeinsam und selbstorganisiert für das Gemeinwohl engagieren. Sie sind der lokale Partner für bürgerschaftliches Engagement.
    • Im Unterschied zu herkömmlichen Stiftungen werden Bürgerstiftungen nicht von Einzelpersonen, Unternehmen oder Organisationen errichtet. Vielmehr zeichnen sich Bürgerstiftungen durch partizipative Elemente aus, indem sie verschiedene Möglichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements bieten, sei es als Plattform für Stifterinnen und Stifter, Geld- oder Sachspender, für ehrenamtliche Mitarbeit in Gremien oder Projekten oder für gute Ideen.
    • Bürgerstiftungen regeln ihre interne Organisation durch die Satzung selbst.
    • Die Bürgerstiftungen basieren auf dem gleichen Stiftungsmodell. Dennoch weist jede Bürgerstiftung individuelle Merkmale auf, da sie in einem bestimmten lokalen Kontext tätig ist. Eine Bürgerstiftung in einer ländlich geprägten Region unterscheidet sich von einer Bürgerstiftung in einer  Stadt. Weitere Unterschiede entstehen durch die jeweiligen lokalen Vermögensstrukturen und Herausforderungen.

    Was Bürgerstiftungen bewegen und was sie bewegt – von ihrem Selbstverständnis über die Förderpolitik bis hin zur Mittelbeschaffung, davon handelt unser „Diskurs Bürgerstiftungen“. Mehr als 50 Geld- und Zeitstifter, Gremienmitglieder und Fachleute vermitteln in dem 300-seitigen Band einen fundierten, vielfältigen und authentischen Einblick in Bürgerstiftungen in Deutschland. 

    Aufgaben von Bürgerstiftungen

    Bürgerstiftungen mobilisieren, fördern und bündeln stifterische und ehrenamtliche Aktivitäten. Sie ermöglichen langfristiges Engagement ebenso wie zeitlich begrenzte oder einmalige Formen der Beteiligung. Vielerorts sind Bürgerstiftungen die ersten Ansprechpartner für diejenigen, die sich engagieren möchten. Dabei nehmen sie idealtypisch vier Aufgaben wahr:

    • Als Fundraiser bauen Bürgerstiftungen ihr Stiftungskapital durch Zustiftungen langfristig auf und werben Spenden zur zeitnahen Verwirklichung ihrer gemeinnützigen Zwecke ein.
    • Als Dienstleister und Partner für Stifter und Spender begleiten Bürgerstiftungen diese darin, ihre gemeinnützigen Anliegen zu verwirklichen.
    • Als Förderer gestalten Bürgerstiftungen das lokale Gemeinwesen mit. Sie können auf den sich ändernden gesellschaftlichen Bedarf vor Ort reagieren, indem sie eigene Projekte durchführen oder Fördermittel vergeben.
    • Als Stimme des lokalen Gemeinwesens setzen sich Bürgerstiftungen für die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements, Eigeninitiative und Mitverantwortung ein. Sie artikulieren wichtige zivilgesellschaftliche Themen.

    Die vier Aufgaben sind eng miteinander verbunden und werden von jeder Bürgerstiftung abhängig von den lokalen Gegebenheiten mit Leben gefüllt.

    Entwicklungen und Aufgaben von Bürgerstiftungen stellen wir anhand von Beispielen aus der Arbeit von knapp 70 Bürgerstiftungen in den “Roten Seiten” des Magazins Stiftung&Sponsoring 4/2014 dar.

    Aktuelle Entwicklungen von Bürgerstiftungen

    Wir berichten regelmäßig in den Fachmedien über Beispiele und Entwicklungen von Bürgerstiftungen. Aktuelle Beiträge können Sie hier lesen:

    Bürgerstiftungen wirken in einem breiten Spektrum des städtischen oder regionalen Lebens mit, dessen Förderung für sie im Vordergrund steht. Die Frage, wonach sie ihre Förderschwerpunkte und Projekte auswählen, thematisiert der Artikel “Bürgerstiftungen: Die Zukunft schon heute”, In: Stiftung&Sponsoring 6/2017.

    Mehr Zustiftungen zu gewinnen, sich vor Ort stärker bekannt zu machen, Spendeneinnahmen  zu steigern, weitere Ehrenamtliche zu gewinnen –  das sind die wichtigsten Herausforderungen aus Sicht der Vorstände und Stiftungsräte von Bürgerstiftungen. Mehr dazu erfahren Sie in dem Artikel “Bürgerstiftungen sind für die Zukunft gut gerüstet”, In: Die Stiftung 6/2017.

    Woher kommt die Idee der Bürgerstiftung?

    Bürgerstiftungen haben ihre Wiege in den USA. Dort erfand der Anwalt und Bankier Frederick Goff (1858 – 1923) vor über 100 Jahren in Cleveland, Ohio, die Community Foundation. Als Goff 1914 die erste Community Foundation gründete, wollte er hauptsächlich ein Problem der Cleveland Trust Company lösen: Die von ihm geleitete Bank verwaltete zahlreiche Stiftungen aus Vermächtnissen, deren Zweckbindungen sich nicht mehr verwirklichen ließen oder deren Ziele nicht mehr zeitgemäß waren.

    Die Bank war zwar kompetent darin, das Stiftungskapital zu verwalten, hatte aber niemanden, der die Erträge daraus fachkundig einer vernünftigen und der Zeit entsprechenden Verwendung zuführen konnte. Seine Lösung: Eine gemeinnützige Organisation mit einem breiten Stiftungszweck, die von einem Vorstand aus ortsansässigen Bürgern geleitet werden sollte, um mit den Stiftungserträgen vordringliche Probleme der Stadt anzugehen. Die Idee der Bürgerstiftung war geboren und hat sich seither global verbreitet. Weltweit gibt es heute über 1.800 Bürgerstiftungen in mehr als 50 Ländern.

    Es wäre schön, wenn jemand, der sein Testament aufsetzt, zu einer dauerhaft bestehenden Organisation gehen und sagen könnte: ‚Hier ist eine große Geldsumme. Ich möchte sie hinterlassen, um das Gemeinwohl vor Ort zu fördern.

    Frederick Goff (1858 – 1923), Erfinder der Community Foundations

    Was bewegt Bürgerstiftungen in Deutschland und den USA heute? Trotz unterschiedlicher gesellschaftlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen, Größenordnungen und Möglichkeiten verfolgen die US-amerikanischen Community Foundations und die deutschen Bürgerstiftungen ein sehr ähnliches Konzept. Was bewegt die Bürgerstiftungen in beiden Ländern heute?  – damit befasst sich der Artikel “100 Jahre Community Foundations, 20 Jahre Bürgerstiftungen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in fünf Bereichen”, In: Stiftung&Sponsoring 6/2012.

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