Wie kann Integration gelingen?

Broschüre mit Praxisbeispielen aus sozialgenial-Mitgliedschulen

Die Integration von geflüchteten Menschen ist und bleibt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Welche Beiträge können Schulen zu einer gelingenden, dauerhaften Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Schulleben, in der Gemeinde, in der Gesellschaft leisten? Wie können die Übergänge von einer Willkommenskultur hin zur Schaffung einer Bleibestruktur gestaltet werden?

Unsere neue Broschüre „Praxis Service Learning: Integration von Geflüchteten“ zeigt anhand von sieben Praxisbeispielen verschiedene Wege auf, die Schulen im Rahmen des Service-Learning-Programms „sozialgenial – Schüler engagieren sich“ gehen. Zwei Fachbeiträge geben einen weiteren Überblick über die Potentiale von Service Learning für eine Bildung zu einer aktiven und gelebten Integration.

Aus dem neuen bürgerAktiv Magazin:

Mit Service Learning: Probleme lösen statt auswendig lernen

Beim Service Learning tun Schülerinnen und Schüler Gutes und lernen dabei, ihr Wissen aus dem Unterricht in der Praxis anzuwenden. Zum Beispiel an den Kaufmännischen Schulen Rheine in Nordrhein-Westfalen:

Die Schülerinnen und Schüler organisieren hier unter anderem mit “Rheine rockt!” ein jährliches Benefizkonzert, um soziale Einrichtungen zu unterstützen. Das ganze findet im Rahmen des sozialgenial-Kurses statt, in dem es darum geht, Wissen aus dem BWL-Unterricht und die Methode des Projektmanagements praktisch anzuwenden und sich für die Gesellschaft zu engagieren. Ein gelungenes Beispiel dafür, wie Engagement und Unterricht miteinander verbunden werden können.

Lesen Sie mehr dazu in unserem neuen bürgerAktiv Magazin!

„Was kannst Du gut, was Anderen nützt?“ Ausgehend von dieser Frage setzen sich Schülerinnen und Schüler aus der Schule heraus für die Gemeinschaft ein und verknüpfen Unterricht mit Engagement.

Service Learning ist ein Lehr- und Lernkonzept, das Unterricht und bürgerschaftliches Engagement miteinander verbindet. Schülerinnen und Schüler engagieren sich für ihre Mitmenschen und die Gesellschaft – unabhängig von ihrer Schulform und ihrer sozialen Herkunft. Die Engagementprojekte werden im Stundenplan verankert und tragen dazu bei, demokratische Kompetenzen und Einstellungen bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Schülerinnen und Schüler engagieren sich beispielsweise für geflüchtete Menschen, organisieren Vorlesenachmittage in Kindergärten oder setzen sich gemeinsam mit Naturschutzorganisationen für Umweltschutz in ihrer Region ein. In der Schule verbinden sie ihr bürgerschaftliches Engagement systematisch mit Unterrichtsinhalten verschiedener Fächer. Der Doppeleffekt: Junge Menschen engagieren sich frühzeitig für die Gesellschaft und lernen mehr und motivierter im Unterricht. Das ist der Grundgedanke von Service Learning.

Service Learning mit sozialgenial: Mit dem Service-Learning-Programm sozialgenial – Schüler engagieren sich unterstützen wir Lehrer und Schulsozialarbeiter dabei, Service Learning an ihrer Schule umzusetzen.

Ganz praktisch: Wie können Unterricht und Engagement verknüpft werden?

In der Schule kann Service Learning mit sozialgenial umgesetzt werden

  • als eigenes Unterrichtsfach: So werden alle Schüler eines Jahrgangs einbezogen.
  • im Wahlpflichtunterricht oder Differenzierungsbereich: Schüler können sich freiwillig für das Engagement entscheiden.
  • als Lernkonzept: Für alle verpflichtend oder freiwillig für einzelne Schüler, in den Unterricht eines Faches oder mehrerer Fächer integriert – so kann Service Learning besonders stark mit Fachinhalten vernetzt werden.

Wir haben mögliche Beispiele für die Verankerung von Service Learning im Stundenplan in einer Übersicht zusammengestellt. Eine ausführliche Beschreibung der unterschiedlichen Umsetzungsmöglichkeiten finden Sie im Wegweiser sozialgenial-Materialbox 2017.

Wegweiser sozialgenial-Materialbox

Der „Wegweiser sozialgenial-Materialbox“ gibt einen Überblick darüber, was Service Learning ist, wie es in der Schule umgesetzt werden kann, mit welchen Qualitätsstandards sozialgenial arbeitet und was die sozialgenial-Materialbox beinhaltet.

Themenfelder, in denen sich Schüler engagieren können

Service Learning mit sozialgenial: So unterschiedlich, wie die jeweiligen Herausforderungen vor Ort sind, können auch die Themen der sozialgenial-Projekte sein. Wir haben vier wichtige Handlungsfelder für bürgerschaftliches Engagement identifiziert, in denen sowohl junge Menschen als auch Erwachsene einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag leisten können. Beispielhaft stellen wir Ihnen zu jedem Handlungsfeld ein sozialgenial-Projekt vor.

Umwelt- und Ressourcenschutz

Projekt Grünes Klassenzimmer

Schüler einer Sekundarschule haben ein Tretbecken an einem ehemaligen Trimmlehrpfad wiederhergestellt. Zuerst säuberten sie das Becken und brachten Amphibien und andere kleine Tiere, die sich dort angesiedelt hatten, in andere Gewässer. In einem zweiten Schritt bauten sie das Tretbecken zu einem „Grünen Klassenzimmer“ aus: mit Bänken drum herum und Wegweisern.

Demokratie und Frieden

Projekt Skatepark

Schüler einer Realschule in Bottrop wollten ihren Stadtteil aktiv mitgestalten und arbeiteten an der Modernisierung eines Parks in ihrer Nähe mit. Eine Skateanlage war das Ziel. Sie beteiligten sich im Planungsausschuss der Stadt, führten eine Anwohnerbefragung durch, warben bei allen Beteiligten für ihre Idee und haben schlussendlich die Patenschaft für die neue Skateanlage übernommen.

Integration und Teilhabe

Projekt Unterstützungsfonds

Als eine ihrer Mitschülerinnen von Abschiebung bedroht war, handelten die Schüler eines Berufskollegs schnell und gründeten einen Unterstützungsfonds. Aus der Soforthilfe ist ein langfristiges Projekt geworden. Inzwischen helfen sie ihren Mitschülern der Internationalen Förderklassen bei alltäglichen Herausforderungen und begleiten sie zum Beispiel bei Behördenterminen.

Werte und Bildung

Projekt Grubenweg

Da fast nichts mehr an die Bergbautradition in ihrer Region erinnerte, legten die Schüler einer Gesamtschule einen Rundweg zu den ehemaligen Gruben und Stollen ihres Ortes an. In ihrem Projekt lernten sie, wie sich die regionale Wirtschaft vor ihrer Haustür in den letzten Jahrzehnten verändert hat und verglichen die Entwicklungen mit der aktuellen Arbeitsmarktsituation. Wissen, das sie für ihre eigene Berufsplanung gut nutzen konnten.

sozialgenial-Projekt
„Das Grüne Klassenzimmer“

Für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Möhnesee (ehemals Verbundschule) gehört Service Learning zum Schulalltag. Eines der „Verantwortungsprojekte“, wie es im Schulprogramm heißt, ist seit 2011 das „Grüne Klassenzimmer“. Die Schüler engagieren sich für den Naturschutz, indem sie ein selbst gestaltetes Areal am Möhnesee pflegen: das “Grüne Klassenzimmer”.

Qualitätsstandards

Service Learning mit sozialgenial arbeitet mit vier praxiserprobten Standards, die die Qualität der Projekte sichern:

  • Ideensuche und Recherche
  • Umsetzung und Verknüpfung mit Unterrichtsinhalten
  • Reflexion und Evaluation
  • Anerkennung und Wertschätzung

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln im Unterricht eigene Ideen für ihr Engagement. Ihre Projekte setzen Sie – begleitet von ihren Lehrern – eigenständig um. Die neuen Erfahrungen aus den Projekten reflektieren sie im Unterricht und setzen sich mit der Bedeutung ihres Engagements für die Gesellschaft auseinander.

Anerkennung für ihr Engagement erfahren die Schüler zum Beispiel durch die sozialgenial-Zertifikate, die sie später für die Bewerbung um einen Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatz nutzen können.

Die Projektqualität hat wesentlichen Einfluss auf die Wirkungen von Service Learning.

Die vier Standards sind wie ein Kochrezept: Handlungsanleitung und viel Raum für Kreativität.

Lehrerin an einem Gymnasium

Im September 2009 startete das Service-Learning-Programm “sozialgenial – Schüler engagieren sich” mit einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Teilnehmen konnten Schule aus Nordrhein-Westfalen. Einige Jahre später weitete die Stiftung Aktive Bürgerschaft das Programm auf das Bundesland Hessen aus. Heute sind mehr als 770 Schulen der Sek. I und II Mitglied bei sozialgenial. Seit dem Programmstart haben sich über 100.000 Schülerinnen und Schüler in vielen Projekten engagiert und diese mit unterschiedlichsten Fächern verknüpft.

Denis Brijani hat im ersten Jahrgang mitgemacht und profitiert bis heute – beruflich und privat. Der heute 26-jährige Denis Brijani gründete 2009 mit Mitschülern in seiner Steinfurter Handelsschule eine Schülerfirma für den Verkauf von Fairtrade-Produkten. Sie boten sie in der Schule und auf dem Wochenmarkt an.

Denis Brijani gewann dabei zwei Einsichten. Die erste: „Mir war vorher gar nicht bewusst, dass es so etwas wie Fairtrade überhaupt gibt“. Seit damals schaut er beim Einkaufen auf ökologische und fair produzierte Waren. Die zweite: Verkaufen macht ihm Freude. „Mir hat das Gespräch mit den Kunden sehr viel Spaß gemacht“, sagt er. „Ich habe gemerkt, dass mir der Kontakt mit Menschen und die Beratung liegen und dass ich gerne in den Vertrieb möchte.“

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An der Gesamtschule Siegburg haben sich im Schuljahr 2017/18 zehn Schüler „sozialgenial” engagiert. Für ihre Lehrerin Barbara Schmiedek hieß das: Vorbereiten, nachbereiten, motivieren. Und vermitteln, wenn Erwartungen und Realität auseinanderklafften. Eine Aufzeichnung.

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Was ist das Besondere an Service Learning? Die Engagementprojekte sind mit Unterrichtsfächern verknüpft und im Stundenplan verankert. Die einzelnen Etappen des sozialgenial-Weges stellt unser Poster im bürgerAktiv Magazin 2019 vor.

Campus sozialgenial

Materialien nutzen, Fragen stellen, Wissen und Ideen teilen, sich mit anderen vernetzen – exklusiv für sozialgenial-Mitgliedsschulen.

www.campussozialgenial.de

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