Gastkommentar: Trumps Steuerreform und die Angst um die Spenden

    von Thomas Adam

    Die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump könnte den Dritten Sektor viel Geld kosten: Einer Schätzung des Councils on Foundations, einer Interessenvereinigung von Stiftungen und gemeinnützigen Einrichtungen in den USA, zufolge, wird er Spenden und Stiftungen in Höhe von 16 bis 24 Milliarden US-Dollar jährlich verlieren. Diese Analyse geht allerdings von einer kausalen Verbindung zwischen Spendenwilligkeit der Steuerzahler und der Möglichkeit, diese Spenden von der Steuer absetzen zu können, aus. Spenden können zwar nach wie vor steuerlich abgesetzt werden, doch lohnt sich das finanziell nicht mehr für Familien in den unteren und mittleren Einkommensklassen. Das hängt mit der Erhöhung des Steuerfreibetrages zusammen. Einzelpersonen konnten einen Steuerfreibetrag von 6.350 Dollar im Jahr 2017 in Anspruch nehmen. Für Ehepaare belief er sich auf 12.700 Dollar. Mit der Trumpschen Steuerreform steigt dieser Steuerfreibetrag für Einzelpersonen auf 12.000 Dollar und für Ehepaare auf 24.000 Dollar.

    Bisher konnten Steuerzahler staatliche Einkommensteuern, kommunale Grundsteuern, berufsbedingte Ausgaben, Hypothekenzinsen und eben auch Spenden von der Bundessteuer absetzen. Für Familien und Einzelpersonen mit mittleren Einkommen lohnte sich in diesem Fall immer eine Einzelabrechnung der von der Steuer absetzbaren Ausgaben, da diese oftmals über dem Steuerfreibetrag lagen. Je höher diese Ausgaben waren, desto geringer fiel die Besteuerung der Steuerzahler aus.

    Ausgaben erreichen Freibetrag nicht mehr

    Mit der Verdoppelung des Steuerfreibetrages fällt dieser Anreiz nun weg. Auch wenn Steuerzahler nach wie vor die von der Steuer absetzbaren Ausgaben einzeln abrechnen können, werden diese Ausgaben in ihrer Gesamtsumme wohl nicht den Freibetrag von 12.000 bzw. 24.000 Dollar erreichen. Weniger amerikanische Familien werden eine Einzelabrechnung ihrer Steuern vornehmen. Daraus speist sich die genannte Befürchtung der Experten, dass ein wichtiger Anreiz für das Spenden – die steuerliche Absetzbarkeit der Spenden über die Einzelabrechnung – wegfällt und damit die Spendenbereitschaft der Amerikaner zurückgeht.

    Die Befürchtungen nährt auch, dass die Steuerreform die Absetzbarkeit von staatlichen Einkommens- und kommunalen Grundsteuern auf maximal 10.000 Dollar begrenzt. In 43 der 50 Bundesstaaten zahlen die Steuerzahler nicht nur Bundesteuern, sondern eben auch Staatssteuern. Diese Steuerraten variieren stark und betragen in Massachusetts 5,1 Prozent und in Kalifornien 13,3 Prozent. In der Vergangenheit konnten Steuerzahler diese staatlichen Steuern von der Bundessteuer absetzen. Mit der Trumpschen Reform wird die Gesamtsumme der absetzbaren staatlichen und kommunalen Steuern (Einkommens- und Grundsteuern) auf 10.000 Dollar begrenzt – de facto eine Steuererhöhung für die Steuerzahler, die in Staaten mit hohen Einkommenssteuern leben und diese nicht mehr vollständig von der Bundessteuer absetzen können. Damit verringern sich ihre verfügbaren Einkommen, was sich wohl auch negativ auf die Spendenbereitschaft auswirken wird: Die Steuerzahler haben weniger Geld zu geben.

    Insgesamt werden diese Veränderungen mehr das Spenden kleiner Summen als das Stiften größerer Summen beeinflussen, wobei es auch hier Veränderungen gibt: Trumps Steuerreform erhöht den von der Erbschaftssteuer befreiten Grundbetrag von 5,6 Millionen Dollar auf 11,2 Millionen Dollar.

    Hoffnung macht, dass es an wissenschaftlich fundierten Belegen für einen kausalen Zusammenhang zwischen steuerlicher Absetzbarkeit und der Bereitschaft, zu spenden oder zu stiften, mangelt. Zwar ist Steuerersparnis ein Faktor, doch rangiert er in Befragungen nicht an erster Stelle – die meisten Spender und Stifter treibt vor allem der Wunsch, Gutes zu tun und sich selbst zu verwirklichen. Und natürlich spielt auch eine große Rolle, wie hoch das zur Verfügung stehende Einkommen ist. Insofern bleibt abzuwarten, ob es nach der Trumpschen Steuerreform für den Dritten Sektor tatsächlich so schlimm kommt wie befürchtet.

    Dr. Thomas Adam, Historiker, ist seit 2001 Professor für Transnationale Geschichte an der University of Texas at Arlington. Seit mehr als 20 Jahren erforscht er die Geschichte des Stiftens in Europa und Nordamerika. In diesem Jahr wird er ein Buch zur Geschichte des Stiftens in Deutschland im Campus Verlag publizieren.

    Kommentar von Prof. Dr. Thomas Adam für bürgerAktiv – Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe 185 – Januar 2018 vom 31.01.2018

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