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Poster Bürgerstiftungen in Deutschland 2016

 

 

 

Bildnachweis: Werner Kissel / Stiftung Aktive Bürgerschaft

 

Report: Bürgerstiftungen in Deutschland 2016

 

Die ersten Bürgerstiftungen in Deutschland wurden vor 20 Jahren als Stiftungen von Bürgern für Bürger auf den Weg gebracht.

Wie viele Bürgerstiftungen gibt es heute? Wie haben sie sich entwickelt?

Ist Stiften in Zeiten von niedrigen Zinsen überhaupt noch attraktiv?

Wer gibt an Bürgerstiftungen? Wer profitiert von ihrer Arbeit?


Engagieren sich die lokal arbeitenden Stiftungen auch für geflüchtete Menschen? Wenn ja, wie?


Zahlen und Fakten über die Entwicklung der Bürgerstiftungen in Deutschland haben wir im elften Jahr in Folge erhoben. Erfahren Sie mehr im „Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016“, hier auch zum Herunterladen oder in unserem Shop bestellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016

 

Bürgerstiftungen in Deutschland - 400 Erfolgsgeschichten

 

Bürgerstiftung heißt Engagement von Bürgern für Bürger. Mindestens 45.000 Stifter, Stifterinnen und Ehrenamtliche engagieren sich mit einer lokalen Bürgerstiftung für ihre Stadt, Gemeinde oder Region: Über 30.000 Stifter engagieren sich finanziell – als Gründungsstifter, mit Zustiftungen oder einer eigenen Stiftung. Mindestens 15.000 Ehrenamtliche bringen sich mit Zeit und Ideen ein: Rund 10.000 Menschen sind ehrenamtlich in Projekten oder Geschäftsstellen der Bürgerstiftungen aktiv, 5.000 in den Gremien wie Vorstand, Stiftungsrat oder Stiftungskuratorium. Verbreitet ist noch ein weiteres Organ für Stifter, die Stifterversammlung oder das Stifterforum. Andernorts engagieren sich Freundeskreise für ihre Bürgerstiftung. Wer sind diese Menschen, die sich für und in Bürgerstiftungen engagieren? Hier stellen wir Ihnen einige von ihnen vor.

 

 

Ehrenamtliches Engagement in Bürgerstiftungen von Hauptamtlichen unterstützt

 

Bürgerstiftungen werden in hohem Maße von ehrenamtlichem Engagement getragen. Jede fünfte Bürgerstiftung arbeitet aber auch mit Hauptamtlichen zusammen. Das ergab die diesjährige Sonderumfrage (zur Methodik hier). Am häufigsten sind sie als renten- und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte angestellt (rund 50 Prozent), danach folgen geringfügig Beschäftigte (rund 25 Prozent) und Honorarkräfte (rund 20 Prozent). Personen, die einen Freiwilligendienst oder ein bezahltes Praktikum ableisten oder eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung („1-Euro-Jobber“) wahrnehmen, sind derzeit kaum bei Bürgerstiftungen tätig (insg. 5 Prozent).

Die meisten Bürgerstiftungen beschäftigen einen (44 Prozent) oder zwei bis vier Hauptamtliche (37 Prozent). Nur 5 Prozent arbeiten mit zehn oder mehr Hauptamtlichen zusammen. In der Regel handelt es sich nicht um Vollzeit bzw. vollzeitnahe Stellen (ab 35 Wochenarbeitsstunden, 15 Prozent), sondern um Teilzeitbeschäftigung unter 15 Stunden (48 Prozent) bzw. zwischen 16 und 34 Stunden (36 Prozent).

Hauptamtliche sind vor allem in der Projektarbeit sowie in der Büroorganisation/Buchhaltung/Verwaltung tätig (jeweils rund 25 Prozent der Arbeitsstunden entfallen auf diese Bereiche). Geschäftsführung, Öffentlichkeitsarbeit, Freiwilligenmanagement und Veranstaltungsmanagement (je rund 10 Prozent) werden etwas häufiger als Fundraising, Vermögensverwaltung und Stifterbetreuung (zwischen 2 Prozent und 5 Prozent) von Hauptamtlichen übernommen. Dies zeigt aber, dass Aufgaben jenseits von Projektarbeit und Büro hauptsächlich von Ehrenamtlichen wahrgenommen werden.

Die Hauptamtlichen werden mehrheitlich aus Eigenmitteln der Stiftung finanziert: 42 Prozent der jährlich geleisteten Arbeitsstunden wird aus Stiftungserträgen, Spenden, Einnahmen aus einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, Mieteinnahmen oder Bußgeldern bezahlt. 17 Prozent stammen aus privaten Projektmitteln von Unternehmen oder Stiftungen, 14 Prozent von öffentlichen Projektmitteln von Kommunen, Land, Bund oder öffentlichen Programmen wie Soziale Stadt und Aktion Mensch. In ähnlichem Umfang (15 Prozent) sind Arbeitsstunden mischfinanziert aus Eigenmitteln und anderen privaten Mitteln. Andere Mischfinanzierungsformen sind selten (insg. 10 Prozent).

Bürgerstiftungsengagement basiert auf ehrenamtlichem Engagement, wird aber in einigen Arbeitsbereichen von Hauptamtlichen unterstützt. Dies ist zwar (noch) nicht der Alltag bei Bürgerstiftungen in Deutschland, aber nicht mehr ungewöhnlich.

 

 

Stiftungsvermögen wächst weiter

 

Das Stiftungskapital der Bürgerstiftungen wächst trotz andauernder Niedrigzinsen auf insgesamt 333,8 Millionen Euro (2014: 305 Millionen Euro). 24,7 Millionen Euro an Zustiftungen vertrauten Stifterinnen und Stifter den Bürgerstiftungen im Jahr 2015 an. Das ist ein Vermögenszuwachs um 8 Prozent. Auch in den Vorjahren wuchs das Stiftungskapital um 10 bis knapp 20 Prozent per anno. 75 Bürgerstiftungen verfügen aktuell schon über ein Stiftungskapital von mehr als einer Million Euro.

Der kontinuierliche Aufbau des Stiftungskapitals ist ein Kernbestandteil des Modells der Bürgerstiftung. Dieser Ansatz geht auf. Das Gründungsvermögen der Bürgerstiftungen summiert sich auf 62,6 Millionen Euro. 81 Prozent des Gesamtvermögens der Bürgerstiftungen (271,2 Millionen Euro) sind nach der Gründung hinzugekommen - durch Zustiftungen von Bürgern, Unternehmen und andere Institutionen. Zum Beispiel wurde 1999 die BürgerStiftung Hamburg mit umgerechnet 50.000 Euro gegründet. Heute ist sie mit einem Vermögen von über 35 Millionen Euro die größte Bürgerstiftung hierzulande.

 

 

Wachstumsmotor Fonds und Treuhandstiftungen

 

Wachstumsmotor für den Vermögensaufbau sind 128 Bürgerstiftungen, die es anderen Menschen ermöglichen, unter ihrem Dach stifterisch tätig zu werden. Mehr als 90 Prozent aller Zustiftungen an Bürgerstiftungen gingen im letzten Jahr an diesen Kreis. Im Jahr davor waren es 77 Prozent. Drei Wege bieten Bürgerstiftungen Stifterinnen und Stiftern an: die Zustiftung in das Grundstockvermögen oder die eigene Stiftung in Form des Stiftungsfonds und der Treuhandstiftung. Die beiden letzten Formen werden häufig mit dem Namen der Stifterin oder des Stifters, mit einem bestimmten Zweck oder einem Regionalnamen verbunden.

Aktuell engagieren sich mit 378 Stiftungsfonds und 279 Treuhandstiftungen Privatpersonen, Unternehmen und andere Institutionen über eine Bürgerstiftung für lokale gemeinnützige Zwecke. 131,3 der 333,8 Millionen Euro Stiftungskapital liegen zweckgebunden in Stiftungsfonds und Treuhandstiftungen, z.B. für die Förderung von Bildung oder von jungen Menschen oder die Integration von Geflüchteten.

 

 

Mehr Zustiftungen als Spenden - deutlich erhöhte Projektfördersumme

 

An Bürgerstiftungen wird jährlich mehr gestiftet als gespendet. Im Jahr 2015 verzeichnen die Bürgerstiftungen mehr als doppelt so viele Zustiftungen wie Spenden: 24,7 Millionen Euro und 11,1 Millionen Euro. Die Spendeneinnahmen waren gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig (2014: 12 Millionen Euro). Spenden werben Bürgerstiftungen zur zeitnahen Verwendung für ihre satzungsgemäßen Förderzwecke und Projekte ein.

Die letztjährige Sonderumfrage zu den "Gebern" für Bürgerstiftungen hat die Ergebnisse der Sonderumfrage von 2009 bestätigt: Zustiftungen kamen ganz überwiegend von Privatpersonen; Unternehmen sind spendenfreudiger als stiftungsaktiv. Im Jahr 2014 kamen die Zustiftungen an Bürgerstiftungen in Deutschland zu 80,4 Prozent von Privatpersonen, zu 12,8 Prozent von Unternehmen, zu 5,6 Prozent vom Staat und zu 1,2 Prozent aus der Gesellschaft, d. h. von anderen gemeinnützigen Organisationen. Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei den Spenden an Bürgerstiftungen. Knapp die Hälfte (49,7 Prozent) der Spenden kamen von Privatpersonen, aber auch 31,5 Prozent aller Spenden an Bürgerstiftungen im 2014 kamen von Unternehmen. Weitere Spenden und Förderungen kamen zu 5,4 Prozent vom Staat und zu 13,3 Prozent aus der Gesellschaft.

Deutlich erhöht haben sich die Förderausgaben für die vielfältigen gemeinnützigen Stiftungszwecke. Die Summe liegt bei 16,1 Millionen Euro, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ursachen für die relativ große Differenz zwischen Spendeneinnahmen und Projektfördersummen bei gleichzeitig niedrigen Zinserträgen des Stiftungskapitals können die Auflösung von Rücklagen zugunsten von Projekten sowie Projektfördermittel der öffentlichen Hand und anderer Stiftungen sein.

 

 

Eine Bürgerstiftung für jede Stadt oder Region

 

Bürgerstiftungen leitet die Vision, dass es „eine Bürgerstiftung für jede Stadt oder Region“ für Stifter und Engagierte gibt – und nicht möglichst viele Bürgerstiftungen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung (48 Prozent) lebt bereits heute im Einzugsgebiet einer Bürgerstiftung. 39,3 Millionen Menschen können sich damit bei ihrer Bürgerstiftung vor Ort als Stifter, Spender oder Ehrenamtliche engagieren (im Bürgerstiftungsfinder sind alle Bürgerstiftungen gelistet).

Die ersten Bürgerstiftungen in Deutschland wurden 1996/1997 gegründet, zehn Jahre später gab es bereits über 100 Bürgerstiftungen. Ein besonderes Wachstumsjahr war 2006, als 56 Bürgerstiftungen gegründet wurden – und damit mehr als eine pro Woche. Damit ist 2016 ein Jubiläumsjahr für viele Bürgerstiftungen. In den letzten Jahren lag die Anzahl der Neugründungen zwischen etwa 10 und 20 pro Jahr. 2015 kamen sechs, 2016 eine weitere dazu. Weitere Gründungen stehen dieses Jahr noch bevor.

Bürgerstiftungen sind bislang vor allem in urbanen, bevölkerungsdichten Räumen entstanden – in gut drei Viertel aller deutschen Großstädte gibt es eine Bürgerstiftung. Um das Konzept „Eine Region, eine Bürgerstiftung“ deutschlandweit zu verwirklichen, besteht aber noch Handlungsbedarf.

 

 

 

 

 

 

 

 

Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016

 

Bürgerstiftungen in den Bundesländern: Überall, aber nicht überall gleich

 

In jedem Bundesland gibt es mindestens eine Bürgerstiftung, mit Ausnahme des Saarlandes. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen: Aus dem Bundesland, in dem 1996 in Gütersloh die erste Bürgerstiftung gegründet wurde, ist in den letzten 20 Jahren die höchste Zahl an Bürgerstiftungen in Deutschland hervorgegangen: 112 Stiftungen von Bürgern für Bürger bereichern hier die soziale und kulturelle Landschaft. Auch mit weiteren Fakten kann sich das Land zwischen Porta Westfalica und Porta Nigra sehen lassen. Hier gibt es auch die meisten Bürgerstiftungen mit einem Stiftungskapital von mehr als einer Million Euro (21) und das höchste Stiftungskapital von Bürgerstiftungen in einem Bundesland (88 Millionen Euro).

Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Bundesländer Baden-Württemberg (101 Bürgerstiftungen) und Niedersachsen (60 Bürgerstiftungen). Das Stiftungskapital der baden-württembergischen Bürgerstiftungen ist allerdings mit 61,5 Millionen Euro etwas niedriger als das der niedersächsischen Bürgerstiftungen mit 62,7 Millionen Euro. Entsprechend liegt das durchschnittliche Stiftungskapital einer Bürgerstiftung aus dem „Ländle“ bei 609.000 Euro, einer Bürgerstiftung zwischen „Harz und Heide“ bei 1 Mio. Euro. Die Zahl der Bürgerstiftungen mit mehr als einer Million Euro Stiftungskapital liegt dafür mit 18 in Baden Württemberg deutlich höher als in Niedersachsen (12).

Berücksichtigt man die Bevölkerungsanzahl der jeweiligen Bundesländer, verschiebt sich die Reihenfolge der Bundesländer leicht. Am dichtesten sind Bürgerstiftungen aktuell in Baden-Württemberg gesät: Auf eine Million Einwohner kommen 9,4 Bürgerstiftungen. In Niedersachsen sind es 7,6 und in Nordrhein-Westfalen 6,3 Bürgerstiftungen. Insgesamt bleibt die Spitzengruppe der Bürgerstiftungsländer aber auch hier unter sich. In Hessen, dem viertplatzierten Land hinsichtlich der Bürgerstiftungsdichte, gibt es 4,8 Bürgerstiftungen pro eine Million Einwohner.

Auch in anderen Bundesländern entwickeln sich die Bürgerstiftungen weiterhin erfolgreich. Zehn Stiftungskapitalmillionäre gibt es unter den Bürgerstiftungen im Freistaat Bayern, obwohl es hier insgesamt erst 38 Bürgerstiftungen gibt. Noch größer ist die „Millionärsdichte“ nur im Norden Deutschlands. Bei vier von neun Bürgerstiftungen in Schleswig Holstein beträgt das Stiftungskapital bereits mehr als eine Million Euro. In Hessen liegt das durchschnittliche Stiftungskapital einer Bürgerstiftung mit 962.000 Euro fast so hoch wie in Niedersachsen. Die 29 hessischen Bürgerstiftungen haben insgesamt mehr Stiftungskapital (27,9 Millionen Euro) als die 38 bayerischen Bürgerstiftungen (25,7 Millionen Euro).

Auch in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg engagieren sich Menschen in Bürgerstiftungen. In Berlin und Bremen, aber auch in Köln sind darüber hinaus Bürgerstiftungen auf Stadtteilebene entstanden.

Es gibt aber auch Bürgerstiftungen, die für ganze Regionen Verantwortung übernehmen: Die drei Bürgerstiftungen mit der größten räumlichen Ausdehnung sind die Bürgerstiftung Mittelhessen, die Altmärkische Bürgerstiftung Hansestadt Stendal und die Bürgerstiftung Barnim Uckermark. Bei allen drei regionalen Bürgerstiftungen erstreckt sich das Wirkungsgebiet auf mehr als 4.000 qkm. Die Bürgerstiftung Ostfalen – für die Region Elm-Lappwald umfasst zwei Landkreise in unterschiedlichen Bundesländern: den Kreis Helmstedt in Niedersachsen und den Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt.

 

 

Bürgerstiftungen in Ost und West

 

Das Modell Bürgerstiftung hat sich in Ost- und Westdeutschland etabliert. Die Unterschiede sind aber weiterhin groß: Nur 36 Bürgerstiftungen liegen in Ostdeutschland. Sie haben bisher durchschnittlich weniger als halb so viel Stiftungskapital aufgebaut wie die westdeutschen (Ost: 380.000 Euro, West: 880.000 Euro). Neben der starken Einschränkung der Stiftungslandschaft während der DDR-Diktatur hinterlassen auch die ökonomischen Defizite deutliche Spuren. Strukturelle Unterschiede zeigen sich aber auch in anderen Bereichen – dann mit anderen Vorzeichen: Beispielsweise ist die Anzahl der aktiven Ehrenamtlichen bei ostdeutschen Bürgerstiftungen höher und die Einbindung jüngerer Gremienmitglieder gelingt besser.

Unter den ostdeutschen Bundesländern tritt Sachsen, besonders in finanzieller Hinsicht, hervor. Die fünf sächsichen Bürgerstiftungen besitzen zusammen mit 6,1 Millionen Euro das höchste Stiftungsvermögen in Ostdeutschland. Die Gesamtanzahl der Bürgerstiftungen ist in den anderen ostdeutschen Bundesländern höher: in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gibt es je acht Bürgerstiftungen, und in Thüringen sieben.  In Sachsen ist auch die einzige ostdeutsche Bürgerstiftung mit mehr als einer Million Euro Stiftungskapital aktiv (Dresden). Ihr Stiftungsvermögen beläuft sich auf gut 5,5 Millionen Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016

 

Bürgerstiftungen vor Ort: Die Zukunft schon heute

 

Bürgerstiftungen sind verlässliche Partner für gemeinnützige Projekte, Initiativen und Vereine vor Ort. Mit einer Summe von 16,1 Millionen Euro förderten sie diese im Jahr 2015. Das sind 2 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Die Gesamtförderausgaben von Bürgerstiftungen seit 2005 übersteigen damit 100 Millionen Euro: 104, 9 Millionen Euro haben Bürgerstiftungen bislang schon aufgrund des Engagements ihrer Stifter, Spender und Förderer für das Gemeinwohl eingesetzt.

 

 


 

Engagementbereiche und Förderschwerpunkte

 

Bildung ist ein wichtiger Förderschwerpunkt für Bürgerstiftungen. Fast die Hälfte ihrer Mittel (47 Prozent) investieren Bürgerstiftungen in diesen Bereich, gefolgt von Kunst und Kultur (17 Prozent) und Sozialem (15 Prozent), Gesundheit und Sport (7 Prozent), so unsere Sondererhebung aus dem Jahr 2010. Wie sich Bürgerstiftungen für Flüchtlinge engagieren, zeigt unsere aktuelle Untersuchung "Bürgerstiftungen: Engagiert in der Flüchtlingsarbeit".

Was Bürgerstiftungen mit ihrer Arbeit bewegen, zeigen beispielhaft die Gewinner des Förderpreises Aktive Bürgerschaft 2015 für Bürgerstiftungen. Sie initiieren Runde Tische, um Bürger an Entscheidungen, die sie betreffen, zu beteiligen, sie haben ein Netzwerk aufgebaut, das Demenzkranken und ihren Angehörigen in der Region weiterhilft, waren mit einer Fundraising-Kampagne zugunsten eines Kulturpatenprojektes erfolgreich oder unterstützen Menschen, selbst als Stifter aktiv werden zu können.

 

 

Benchmark: Top-Ten der Bürgerstiftungen

 

Mit dem Bürgerstiftungs-Benchmark werden das Vermögenswachstum, Spendeneinnahmen und Projektförderungen gemessen, um den Gremien von Bürgerstiftungen eine Unterstützung für das strategische Management zu geben. Zudem wirft der Bürgerstiftungs-Benchmark auch einen Blick in die Zukunft: Was heute die Top-Ten-Bürgerstiftungen an Spitzenleistungen beim Vermögensaufbau, den Spendeneinnahmen und den Fördersummen erbringen, wird in künftigen Jahren zur Alltagsbilanz der meisten Bürgerstiftungen in Deutschland gehören.

Mit jeweils mehreren 100.000 Euro unterstützten im Jahr 2015 die zehn förderstärksten Bürgerstiftungen bürgerschaftliches Engagement und gemeinnützige Organisationen in ihren Städten und Regionen oder führten eigene Projekte durch. Zwischen 278.000 Euro und 1,8 Millionen konnten sie dafür verwenden. Auch in kleineren Orten mit weniger Einwohnern leisten Bürgerstiftungen eine relevante Förderung. Umgerechnet zwischen 3 und 24 Euro pro Kopf der Bevölkerung hat die Spitzengruppe der Bürgerstiftungen für das lokale Gemeinwohl im Jahr 2015 ausgegeben. Mehr zu den drei Kategorien des Bürgerstiftungs-Benchmark können Sie direkt hier nachlesen und Informationen den folgenden Grafiken entnehmen (zu den druckfähigen Grafiken geht es hier).

 

Benchmark Bürgerstiftungen Benchmark Vermögenswachstum Benchmark Spendeneinnahmen Benchmark Projektförderung

 

Das Modell der Bürgerstiftung, wie es auch in den „10 Merkmalen einer Bürgerstiftung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen zum Ausdruck kommt, beinhaltet den kontinuierlichen Aufbau des Stiftungskapitals. So starteten die ersten beiden Bürgerstiftungen in Deutschland 1996 in Gütersloh und 1997 in Hannover mit einem Gründungskapital von einer Million Euro (Gütersloh) bzw. 80.000 Euro (Hannover). Inzwischen haben sie dies bis heute auf fast sechs Millionen Euro (Gütersloh) bzw. mehr als zehn Millionen Euro (Hannover) ausgebaut.

Der Aufbau des Stiftungskapitals gelingt den Bürgerstiftungen unterschiedlich gut. Zur Analyse des Kapitalwachstums hat die Stiftung Aktive Bürgerschaft vorläufig fünf Vermögensklassen von „weniger als 100.000 Euro“ bis „mehr als eine Million Euro“ gebildet. Je mehr Bürgerstiftungen in den oberen Vermögensklassen sind, desto größer ist das tatsächliche Kapital (im Unterschied zu Durchschnittswerten) der Bürgerstiftungen. Zum 31.12.2015 hatten bereits 75 Bürgerstiftungen ein Stiftungskapital von mehr als einer Million Euro, sechs Bürgerstiftungen mehr als noch zum Ende des Vorjahres. In den drei darunter liegenden Stiftungskapitalklassen hat sich die Anzahl der Bürgerstiftungen nur leicht verändert (zwischen -1 und +2), lediglich im Cluster "unter 100.000 Euro" sind sieben Bürgerstiftungen dazu gekommen; die Neugründungen gehören in der Regel dieser Vermögensklasse an, so auch in diesem Fall.

Die bisherigen Wachstumsraten zeigen, dass in wenigen Jahren die Zahl der Bürgerstiftungen mit einem Kapital von mehr als einer Million Euro vergleichsweise größer sein wird als unter den klassischen Stiftungen. Diese verfügen nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen zu 72,4 Prozent über ein Stiftungskapital unter einer Million Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016

 

Engagement von Bürgerstiftungen für und mit Geflüchteten

 

Spätestens seit dem Sommer 2015 sehen sich deutschlandweit viele Kommunen großen gesellschaftlichen Herausforderungen gegenüber, die die vergleichsweise hohe Anzahl geflüchteter Menschen mit sich bringen. Neben den Aufgaben zur Versorgung und Betreuung der Geflüchteten sind das auch die menschenfeindlichen Polemiken und Aktionen von Einheimischen. Viele Menschen vor Ort tragen mit ihrem Engagement dazu bei, diese Herausforderungen zu stemmen. Als lokale zivilgesellschaftliche Akteure haben auch Bürgerstiftungen die Herausforderungen angenommen und sich in ganz unterschiedlicher Weise für und mit Geflüchteten engagiert. In einer empirischen Untersuchung zur Flüchtlingsarbeit von Bürgerstiftungen haben wir deren Aktivitäten im Zeitraum Januar 2014 -März 2016 im Spiegel der grundlegenden vier Aufgaben von Bürgerstiftungen (vgl. Hellmann/Nährlich 2014) analysiert.

 

Als "Aktivität" zählen alle Engagementformen der Bürgerstiftungen, die zum Ziel haben, Geflüchtete direkt zu unterstützen, Freiwillige und Stifter in ihrem Engagement zu stärken, die Aufnahmegesellschaft in der neuen Situation zu begleiten oder fremdenfeindlichen Mobilisierungen entgegenzutreten. Hinsichtlich des Umfangs und der Beschaffenheit sind die "Aktivitäten" nicht vergleichbar, denn sie reichen von einmaligen Spenden bis hin zur Koordination von Netzwerken in der Flüchtlingsarbeit, Ehrung von Engagierten oder eigenen Unterstützungsprojekten. Als Datengrundlage dienten erstens die online verfügbaren Texte der 400 Bürgerstiftungen über ihr Engagement für und mit Geflüchteten, insbesondere auf den Bürgerstiftungs-Homepages, in Stifterbriefen und auf Facebook. Zweitens wurden auch online verfügbare regionale und überregionale Zeitungsartikel ausgewertet. Somit sind sowohl die von Bürgerstiftungen kommunizierten Inhalte, als auch die Berichte über Bürgerstiftungen berücksichtigt.

Die aus diesen Daten generierten Informationen wurden zu "Aktivitäten" verdichtet und in der Regel einer von insgesamt 39 Unterkategorien zugeordnet. Das Kategoriensystem wurde zunächst anhand der allgemeinen Darstellung der "vier Aufgaben von Bürgerstiftungen" für die Flüchtlingsarbeit abgeleitet und dann im Kontext der Datenerhebung erweitert. Insgesamt sind 714 Aktivitäten erfasst. Bei weiteren (methodischen) Nachfragen erhalten Sie hier Auskunft.

 

Mehrzahl der Bürgerstiftungen ist in der Flüchtlingsarbeit aktiv

 

Über die Hälfte aller Bürgerstiftungen ist in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Engagiert sind sowohl Bürgerstiftungen, die schon seit vielen Jahren im Bereich Integration Erfahrungen gesammelt haben, als auch solche, die die aktuellen Herausforderungen vor Ort neu aufgegriffen haben. Bei ungefähr jeder sechsten Aktivität der Bürgerstiftungen engagierten sich Geflüchtete selbst, beispielsweise in Fahrradwerkstätten, bei Veranstaltungen oder bei der Unterstützung anderer Geflüchteter. Mindestens 20 Prozent aller Bürgerstiftungen haben einen Schwerpunkt ihrer Arbeit im Bereich Flüchtlingsarbeit gelegt. "Schwerpunkt-Bürgerstiftungen" sind solche, die im  Erhebungszeitraum explizit eine Schwerpunktsetzung kommuniziert haben (52) und solche, die aufgrund des Umfangs und Profils ihres Engagements eine Schwerpunktsetzung nahelegen (29).

 

Typische Aktivitäten von Bürgerstiftungen mit einem Schwerpunkt in der Flüchtlingsarbeit

 

Auf Basis der Engagements der Schwerpunkt-Bürgerstiftungen haben wir zehn typische Aktivitäten von Bürgerstiftungen herausgearbeitet.

(1) Einrichten und Verwalten von Spendenkonten oder Spendenfonds: In zahlreichen Kommunen übernahmen die Bürgerstiftungen die Koordination der Spendensammlungen für die Engagierten. Sie richteten ein Spendenkonto ein, verwalteten es und warben Spenden ein. Oftmals sind sie auch für die Mittelvergabe zuständig. In den meisten Fällen fungierten die Spendenkonten als zentrale Spendensammelstelle in den Kommunen. Deren Ziel ist es, die Engagierten möglichst unbürokratisch und schnell finanziell zu unterstützen.

(2) Fundraising für Flüchtlingsarbeit: Etliche Bürgerstiftungen haben spezielle Fundraising – Aktionen für Geflüchtete veranstaltet, beispielsweise einen Spendensammlungsstand am Weihnachtsmarkt. Hierbei konnten einige Bürgerstiftungen bereits etablierte Fundraisingaktivitäten dem speziellen Zweck der Flüchtlingsarbeit widmen. Vielfach wurden auch Veranstaltungen der Bürgerstiftung, wie zum Beispiel Konzerte, durch einen Spendenaufruf begleitet.

(3) Schwerpunktsetzung bei den Förderausgaben: Einige Bürgerstiftungen haben für einen gewissen Zeitraum bei den eigenen Förderausgaben den Schwerpunkt auf die Flüchtlingshilfe gelegt. So konnten sie entweder die der Bürgerstiftung im Allgemeinen zur Verfügung stehenden Mittel, aber auch die Mittel spezieller Fonds oder Treuhandstiftungen für die Flüchtlingshilfe einsetzen. Die Ausschüttungen wurden teilweise bewusst als öffentliche Positionierung (siehe (10)) gegen fremdenfeindliche Ressentiments genutzt. In Einzelfällen wurden auch Geflüchtete selbst in die Entscheidung über die Vergabe der Förderausgaben eingebunden.

(4) Unterstützung und Würdigung der Ehrenamtlichen: Jenseits der finanziellen Unterstützung der Engagierten haben Bürgerstiftungen das zivilgesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger fachlich und organisatorisch unterstützt und öffentlich gewürdigt. Die Aktivitäten reichten von der organisatorischen Unterstützung einzelner Aktionen, wie beispielsweise einer von Studierenden initiierten Willkommensfeier, über Fortbildungsprogramme oder Supervision von Engagierten bis hin zur Koordinierung von Ehrenamtlichen. Oft übernahmen dies die bei einigen Bürgerstiftungen angeschlossenen Ehrenamtsagenturen. Die Würdigung und Anerkennung der Engagierten erreichten einige Bürgerstiftungen über die Ausrufung eines Sonderpreises bei ihrem jährlichen Engagementpreis oder die Preisvergabe an Initiativen in der Flüchtlingshilfe. Eine weitere Bürgerstiftung nutzte eine Kooperation mit einer regionalen Zeitung, um die Engagierten in der Öffentlichkeit zu würdigen. Neben der öffentlichen Ehrung drückten einige Bürgerstiftungen den Engagierten ihre Anerkennung auch durch spezielle Veranstaltungen aus, die die Engagierten neben der verbalen Würdigung direkt in ihrem Engagement unterstützen. Beispielsweise wurden Engagierte zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen, das gleichzeitig Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten für die Freiwilligen bot.

(5) Initiierung und Mitwirkung an lokalen Bündnissen oder Netzwerken für die Flüchtlingshilfe: Im Kontext des breiten Engagements vor Ort und der oftmals überforderten Kommunalverwaltungen haben Bürgerstiftungen entweder Netzwerke für die Flüchtlingshilfe initiiert oder als Partner mitgewirkt. In der Regel waren in diesen Netzwerken neben der Kommune und der Bürgerstiftung lokale Vereine, Initiativen und oftmals auch Kirchengemeinden aktiv. In einigen Fällen ging damit auch eine Bedarfsanalyse einher, bei der die Bürgerstiftungen ihre Vernetzung vor Ort nutzen konnten.

(6) Öffnung und Erweiterung erprobter Projekte: Projekte, die von der Bürgerstiftung schon länger gefördert oder durchgeführt werden, wurden für die Neuangekommenen erweitert oder für spezielle Gruppen, insbesondere unbegleitete Minderjährige, Frauen und Kinder, angepasst. Beispielsweise wurden die aus ihrer Heimat vertriebenen Kinder bei der Förderung von Kinderfreizeiten und Sportangeboten berücksichtigt oder bei bestehenden Projekten zum Spracherwerb gezielt angesprochen.

(7) Gelegenheiten zu Begegnung und Austausch von Geflüchteten und Einheimischen: Bürgerstiftungen haben etliche Veranstaltungen initiiert oder Räume geschaffen, um den Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen zu fördern. Um einen ersten Kontakt von Neubürgern und Altbürgern zu ermöglichen, haben Bürgerstiftungen bereits etablierte Veranstaltungen wie z.B. den Bürgerbrunch genutzt, um Geflüchtete einzuladen, oder haben sie in das offizielle Programm integriert. Auch Musik-, Sport- und Kulturveranstaltungen, die eher ohne die oftmals hemmende Sprachbarriere gemeinsam besucht werden können, wurden durchgeführt oder gefördert. Zudem wurden Sprachkurse als Patenprojekte angeboten, so dass neben dem Spracherwerb auch soziale Kontakte zwischen Geflüchteten und Einheimischen hergestellt wurden.

(8) Orientierungsprojekte und Hilfen im Alltag: Während der ersten Tage und Wochen nach ihrer Ankunft haben Bürgerstiftungen den Geflüchteten ihre Stadt gezeigt und typische – deutsche und regionale – Gepflogenheiten erklärt. Auch haben Ehrenamtliche der Bürgerstiftungen direkte Hilfe zum Beispiel bei Ämtergängen oder Arztbesuchen geleistet. Oftmals konnten dabei auch Kontakte zu Vereinen vor Ort oder das Netzwerk innerhalb der Bürgerstiftung genutzt werden. Auch Menschen, die selbst erst relativ kurz in der Region leben, haben sich bei diesen Aktivitäten engagiert.

(9) Projekte zum besseren Verständnis der Lebenssituation von Geflüchteten: Parallel zu den direkten Unterstützungsleistungen für Engagierte oder Geflüchtete haben einige Bürgerstiftungen Projekte durchgeführt oder gefördert, die das Verständnis für die Geflüchteten in der Region verstärken sollen. Beispielsweise haben Ehrenamtliche einer Bürgerstiftung gemeinsam mit geflüchteten Frauen in Schulen über Flucht und Integration gesprochen oder ein Theaterstück wurde gemeinsam mit Geflüchteten entwickelt und aufgeführt.

(10) Öffentliche Positionierung für Vielfalt und Integration: Bürgerstiftungen haben in unterschiedlichen Formen Position gegen fremdenfeindliche Stimmen und Populismus bezogen und die Chancen betont, die Migration für eine Stadt oder Region bietet. Viele Bürgerstiftungen haben sich beispielsweise auf ihrer Homepage für die Unterstützung von Flüchtlingen ausgesprochen oder haben sich bei lokalen öffentlichkeitswirksamen Aktionen beteiligt, die sich für Integration und Toleranz starkmachen. Ebenso wurden Publikationen wie zum Beispiel öffentliche Briefe, Leserbriefe und Flyer veröffentlicht, in denen für ein produktives Miteinander geworben und an die gesellschaftlichen Werte des Grundgesetzes erinnert wurde. Mit öffentlichen Informations- und Diskussionsabenden haben Bürgerstiftungen die Situation im lokalen Raum begleitet.

Die hier beschriebenen "typischen Aktivitäten" unterscheiden sich in ihrer Bedeutung für die Bürgerstiftung erheblich. Teilweise haben sie den Charakter einer umfassenden Rolle als zivilgesellschaftlicher Akteur vor Ort, wie die Initiierung und Mitwirkung in Netzwerken oder als zentraler Anlaufpunkt für Spenden. Teilweise beschreiben die "typischen Aktivitäten" häufig dokumentierte konkrete Einzelaktivitäten, wie z.B. Orientierungsprojekte oder Projekte zum besseren Verständnis der Lebenssituation von Geflüchteten. Eine Schwerpunkt-Bürgerstiftung zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass sie mehrere dieser „typischen Aktivitäten“ im Untersuchungszeitraum nacheinander oder gleichzeitig durchführte.

 

Flüchtlingsarbeit im Spiegel der Aufgaben von Bürgerstiftungen

 

Die Bürgerstiftungsarbeit lässt sich in vier verschiedene Aufgaben unterteilen: Partner für Stifter sein, mit Fundraising Mittel für das lokale Gemeinwesen beschaffen, Gesellschaft mitgestalten mittels Projektförderung oder operativer Projekte und als „Stimme des Gemeinwesens“ oder „Lobbyist“ das Bürgerengagement stärken. Auch wenn die hier erfassten Aktivitäten in Umfang und Aufwand nicht vergleichbar sind, lässt die Verteilung der Aktivitäten auf die vier verschiedenen Aufgaben Schwerpunkte der Bürgerstiftungsarbeit erkennen. So zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt bei der Aufgabe, die „Gesellschaft mitzugestalten“: 56 Prozent der Aktivitäten lassen sich hier zuordnen. Auch die Aufgabe als „Stimme des Gemeinwesens“ zu agieren, wurde stark wahrgenommen (28 Prozent). Deutlich geringer gingen Bürgerstiftungen der Aufgabe des „Fundraisings“ (15 Prozent) nach und sehr gering der des „Partners für Stifter“ (1 Prozent).

Dieses Ergebnis muss vor dem Hintergrund von drei methodischen Einschränkungen betrachtet werden: Erstens werden die beiden letztgenannten, weniger stark wahrgenommenen Aufgaben seltener öffentlich kommuniziert. Da die Grundlage für die Untersuchung aber die schriftlich online kommunizierten Aktivitäten in der Flüchtlingsarbeit sind, sind diese Aufgabenbereiche in der Untersuchung unterrepräsentiert. Zweitens priorisiert die Untersuchung eines speziellen, zudem aktuell hochbrisanten Engagementbereichs die Aufgabenbereiche „Gesellschaft mitgestalten“ und „Stimme des Gemeinwesens“. Gerade im Aufgabenbereich „Partner für Stifter“ ist die Flüchtlingsarbeit vermutlich zu speziell. Ein anderes Bild dürfte sich ergeben, wenn das Thema „Integration“ im Allgemeinen untersucht worden wäre. Drittens bringt die Art der Auswertung mit sich, dass ein, möglicherweise groß angelegtes, Fundraising oder die Verwaltung eines Fonds nur einmalig gezählt wird, Förderausgaben aber meist mehrfach zu Buche schlagen, weil in der Regel mehr als ein Projekt mit den Mitteln gefördert wird. Gleichwohl kann diese Darstellung dazu anregen, die besonderen Aufgaben einer Bürgerstiftung im Bereich der Finanzbeschaffung und des Stifter-Dienstleisters hervorzuheben.

Fazit: Bürgerstiftungen bringen sich aktiv in der Flüchtlingsarbeit vor Ort ein und gestalten die Gesellschaft durch umfangreiche operative Projekte und Förderprojekte mit. Jenseits dessen nehmen sie aber auch ihre spezifische Bürgerstiftungs-Aufgaben als "Stimme des Gemeinwesens" wahr: finanzielle und organisatorische Stärkung der Engagierten und der Engagementstruktur, lokale Vernetzung, Würdigung der Engagierten und öffentliche Diskussion.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016

 

Volksbanken Raiffeisenbanken engagiert für Bürgerstiftungen

 

Bürgerstiftungen wollen als „Stiftung von Bürgern für Bürger“ Verantwortung für das Gemeinwohl in ihrer Stadt oder Region übernehmen, ihre Stiftungsangelegenheiten selbst verwalten und auch andere Menschen darin unterstützen, selbst aktiv werden zu können. Bürgerstiftungen weisen damit eine große Nähe zur genossenschaftlichen Philosophie der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung auf.

Bundesweit unterstützen die Volksbanken und Raiffeisenbanken mit der Stiftung Aktive Bürgerschaft und im Sinne der „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen die Gründung und Entwicklung von Bürgerstiftungen in Deutschland. Mehr als vier von fünf Bürgerstiftungen profitieren heute vom Engagement ihrer örtlichen Genossenschaftsbank, beispielsweise als Initiatoren und Wegbereiter einer Bürgerstiftung, als Projektförderer oder durch so genannte Matching Funds, mit denen sie Zustiftungen von Bürgern bis zu einem festgelegten Betrag verdoppeln und einen Anreiz zum Mitmachen stiften.

Im Jahr 2002 hat der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) seine Mitglieder – Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD-Banken, Kirchenbanken und andere Genossenschaftsbanken – zu einem verstärkten Engagement für Bürgerstiftungen aufgerufen. Die Aktive Bürgerschaft als Kompetenzzentrum der Volksbanken und Raiffeisenbanken für Bürgerengagement unterstützt und begleitet seither bundesweit das Engagement der Genossenschaftsbanken für Bürgerstiftungen.

Genossenschaftsbanken sind inzwischen Gründungsstifter bei 221 Bürgerstiftungen und Förderer bei 135 Bürgerstiftungen. Insgesamt 338 (der 400) Bürgerstiftungen werden von 268 Genossenschaftsbanken, Unternehmen und Verbänden der Genossenschaftlichen FinanzGruppe unterstützt. Dies entspricht einer bundesweiten Engagementquote von 85 Prozent. Über dem Bundesdurchschnitt engagiert sind die Genossenschaftsbanken in Bremen (100 Prozent aller Bürgerstiftungen werden von einer Genossenschaftsbank unterstützt); Mecklenburg-Vorpommern (100 Prozent); Niedersachsen (90 Prozent); Baden-Württemberg (87 Prozent); Nordrhein-Westfalen (87 Prozent); Hessen (86 Prozent) und Thüringen (86 Prozent).

Mehr über die Kampagne Bürgerstiftungen der Volksbanken Raiffeisenbanken und der Stiftung Aktive Bürgerschaft erfahren Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016

 


 

Methodik Report Bürgerstiftungen

 

Der „Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2016“ basiert auf einer Vollerhebung aller Bürgerstiftungen, die den „10 Merkmalen einer Bürgerstiftung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen entsprechen und bis zum 30.06.2016 gegründet wurden. Der Rücklauf lag bei 77 Prozent. Stichtag der Finanzdaten war der 31.12.2015.

Die Stiftung Aktive Bürgerschaft legt im elften Jahr in Folge Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Bürgerstiftungen in Deutschland vor. Der „Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends“ führt den „Länderspiegel Bürgerstiftungen“ von 2006 bis 2014 fort.

Jährlich werden ausgewählte Sonderthemen mittels einer Sonderumfrage speziell beleuchtet; in diesem Jahr das Thema "Hauptamtliche". Zur Gruppe „Hauptamtliche“ zählen Honorarkräfte, geringfügig Beschäftigte, sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Freiwilligendienstleistende, 1-Euro-Jobber oder Praktikantinnen und Praktikanten. Von den Bürgerstiftungen, die Hauptamtliche beschäftigt haben, haben 78 Prozent die detaillierte Sonderumfrage nach Tätigkeitsbereichen, Stundenanzahl und Finanzierung beantwortet. Neben der Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen haben wir auch nach Freistellungen im Rahmen einer Vorstudie gefragt, deren Ergebnisse nach der Fertigstellung der Hauptstudie veröffentlicht werden.

Die Untersuchung zum Engagement von und mit Geflüchteten basiert auf einer Inhaltsanalyse von Online-Texten. Mehr zum Untersuchungsdesging hier. Mehr zur Methodik der Reports und Sonderumfragen können Sie hier erfahren. Weitere Auskünfte geben wir Ihnen gern.

Informationen über die datengestützte Steuerung des Programmbereiches Bürgerstiftungen der Aktiven Bürgerschaft finden Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ansprechpartner

 

Judith Polterauer, Leiterin Umfragen und Analysen
E-Mail: judith.polterauer@aktive-buergerschaft.de
Telefon: 030 2400088-4; Fax -9


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christiane Biedermann, Programm-Leiterin Bürgerstiftungen
E-Mail: christiane.biedermann@aktive-buergerschaft.de
Telefon: 030 2400088-2; Fax -9


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Stefan Nährlich, Geschäftsführer
E-Mail: stefan.naehrlich@aktive-buergerschaft.de
Telefon: 030 2400088-1; Fax -9


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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