Patenschaft für eine Skateanlage

    Schüler einer Realschule in Bottrop wollten ihren Stadtteil aktiv mitgestalten und arbeiteten an der Modernisierung eines Parks in ihrer Nähe mit. Eine Skateanlage war das Ziel. Sie beteiligten sich im Planungsausschuss der Stadt, führten eine Anwohnerbefragung durch, warben bei allen Beteiligten für ihre Idee und haben schlussendlich die Patenschaft für die neue Skateanlage übernommen.

    Noch müssen sich die 14 Schülerinnen und Schüler der Marie-Curie-Realschule in Bottrop die Rampen und Hindernisse vorstellen, wenn sie am Bauzaun im Bottroper Ehrenpark stehen. Doch schon in wenigen Monaten wird dort „ihre“ Skateanlage stehen, die die Zehntklässler mit ihrem sozialgenial-Schulprojekt „Patenschaft für die Skateanlage im Ehrenpark“ planen und betreuen.

    Gemeinsam mit ihren Lehrern Anna zur Heiden und Dirk Steiner haben sich die Schüler im Wahlpflichtunterricht sowie in den Fächern Politik und Sport mit der Frage auseinandergesetzt, wie sie den Stadtteil mitgestalten können. Ihre Idee: Sich in die Modernisierung des Bottroper Ehrenparks einzubringen, der von den umliegenden Anwohnern, der Kita, dem Seniorenheim und der Schule als Mehrgenerationenpark genutzt werden soll. Für die Schüler stand diePatenschaft über die Skateanlage an erster Stelle.

    Schon waren sie mittendrin – im Engagement. Die Schüler beteiligten sich im Planungsausschuss der Stadt aktiv am Entstehungsprozess der Skateanlage und wurden von Mitarbeitern des Jugendamts über neue Bauabschnitte informiert. Sie führten eine Anwohner-Befragung durch und erfuhren, dass verschiedene Interessen, Kompromisse und Teamarbeit nicht nur Wörter sind und Geodaten nicht nur im Erdkundebuch stehen. Im Politikunterricht refektierten sie ihr Handeln. Mitbestimmung und Demokratie haben sich mit Leben gefüllt, sind für sie greifbarer geworden. Sie erleben, wie sich die demografische Entwicklung im realen Leben auswirkt und was diese mit ihnen zu tun hat.

    „Viel mitnehmen“

    Die Schülerin Lisa Fischer, 16 Jahre, formuliert ihre Erfahrungen so: „Aus meinem Engagement im sozialgenial-Schulprojekt kann ich viel mitnehmen: Ich kann besser auf fremde Menschen zugehen und habe Anregungen für meine berufliche Orientierung bekommen. Außerdem habe ich gemerkt, dass es mir viel Freude bringt, wenn ich anderen helfe.“

    „Mitbestimmen – eine neue Qualität“

    Für die beiden Lehrer bedeutete das sozialgenial-Schulprojekt ebenfalls eine Herausforderung. Sie wendeten das Bildungskonzept Service Learning erstmals an und folgten den Standards Ideensuche und Recherche, Umsetzung und Verknüpfung mit dem Unterricht, Reflexion und Evaluation sowie Anerkennung und Wertschätzung. Lehrerin Anna zur Heiden zollt ihren Schülern Anerkennung: „Das Neue daran war für die Schüler, dass sie auf einmal so viel entscheiden und mitbestimmen konnten. Im Unterricht sind sie natürlich auch gefragt, aber so viel Eigeninitiative waren sie bislang nicht gewohnt. Damit umzugehen, ist eine neue Qualität für sie und uns.“

    Meilenstein: Eröffnung am 31. August

    Auch nach den Sommerferien geht esweiter: Ein Meilenstein ist die Eröffnungsfeier des neu gestalteten Ehrenparks am 31. August 2012. Die Schüler organisieren einen Skate-Contest für alle Schulen aus Bottrop. Als „Delegierte“ trafen sich die Schüler Dustin Kurze und Lisa Fischer für erste Planungen mit Vertretern der Stadt und gemeinnützigen Organisationen des Stadtteils am „Runden Tisch“ Ende März. Dustin Kurze, 16 Jahre, hat genaue Vorstellungen, wie sich die Schüler einbringen können: „Wir werden uns um die Werbung kümmern, Plakate und Flyer erstellen und Bekannten und Freunden vom Contest erzählen – denn durch Mund-zu-Mund-Propaganda erreichen wir die Skater aus anderen Schulen am besten.“ Mit der Einweihung der Skateanlage verabschieden sich die Schüler aus dem Projekt. Sie verlassen die Schule zum Sommer. Da das sozialgenial-Projekt langfristig angelegt ist, übernehmen die nächsten Zehntklässler die Patenschaft. Sie können dann auf der Skateanlage im Ehrenpark „sliden“ und „grinden“ und werden als Ansprechpartner Skateboards und Schutzausrüstung verleihen. Zum neuen Schuljahr kann die Anlage auch im Sportunterricht genutzt werden, so dass rund um die Marie-Curie-Realschule bald viele Jugendliche auf vier Rollen unterwegs sind.

     

    Schule: 630 Jungen und Mädchen besuchen die Marie-Curie-Realschule Bottrop im gebundenen Ganztag Schulpartner: Jugendamt, Stadt Bottrop Dauer: seit November 2011 (langfristig) Weitere Projekte: Engagement für Bottroper Tisch Obdachlosencafé „Kolüsch“ Kindergarten Seniorenwohnheime Verknüpfung mit dem Unterricht: Sportunterricht, Politikunterricht (Demografie, Generationen) Verankerung im Stundenplan: Wahlpfl ichtunterricht

    Download Schulportrait „Patenschaft für die Skateanlage“, sozialgenial-Leuchtturmprojekt 2012

    Bürgerbeteiligung / Stadtteilentwicklung, Realschule