Mit einer kurzen Reportage aus einer kirchlichen Obdachlosenküche in Hamburg warf am 1. Juni 2026 das Hamburg-Journal des NDR die Frage auf, wer solche Angebote übernimmt, wenn die Kirchen passen müssen. „Prognosen zufolge können den Kirchen in Deutschland bis 2060 die Hälfte ihrer Gelder fehlen. Was dann?“, fragte der Autor des Berichts „Gemeinnütziges Engagement: Was, wenn die Kirchen verschwinden?“, Nico Stubbe. Pastorin Dorothea Frauböse von der Gemeinde St. Georg in Hamburg prognostizierte in ihrer Antwort ein „hohes Ausmaß an Verlust“ – für sie sei nicht erkennbar, welche anderen Organisationen die Angebote der Kirchen in gleichem Umfang übernehmen könnten, sagte sie.
Wenn es brennt, ist Eile angezeigt und die Feuerwehr darf Tempobegrenzungen überschreiten. Dennoch bekam ein Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr in Taucha in Sachsen eine saftige Strafe, als er auf dem Weg zu einem Brand in einer Grundschule schneller als erlaubt fuhr. Er wurde mit 69 Stundenkilometern in einer Baustelle geblitzt und zur Zahlung von 369 Euro verdonnert, dazu zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Tatsächlich hat die Feuerwehr zwar Sonderrechte und darf verkehrsregelwidrig rasen, die Geschwindigkeit muss aber verhältnismäßig sein und darf andere nicht gefährden. Der Feuerwehrmann zog jedoch vor Gericht – und wurde freigesprochen, berichtete unter anderem Sven Hering in der Leipziger Volkszeitung am 9. Juni 2026 („Geblitzt im Feuerwehr-Einsatz: Urteil gegen Ray Lange steht fest“). Denn einerseits sei die überhöhte Geschwindigkeit von den Sonderregelungen für die Feuerwehr gedeckt gewesen und außerdem war die Begrenzung auf Tempo 30 zum Tatzeitpunkt nicht ausgewiesen, es galt also Tempo 50, urteilte das Amtsgericht Eilenburg. Der Feuerwehrmann äußerte sich erleichtert, quittierte nach all den nervlichen Strapazen allerdings das Ehrenamt. Seine Anwältin bezeichnete das Verhalten der Stadt Taucha als „überzogen“ und „falsche Anwendung des Rechts“. Der Fall hat überregional Schlagzeilen gemacht.
Die für Ehrenamt und Sport zuständige Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) hat sich im Interview mit dem Nordkurier zufrieden mit den bisherigen Maßnahmen zum Abbau von Bürokratie gezeigt. „Wir werden weitere spürbare Verbesserungen angehen!“, kündigte sie an, allerdings ohne konkrete Maßnahmen zu nennen. Anlass für das Interview war Schenderleins Antrittsbesuch bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) in Neustrelitz. Auf die Frage nach dem im Koalitionsvertrag postulierten Ausbau der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) verwies die Staatsministerin in dem Interview darauf, dass deren Stiftungsrat um drei Sitze auf 22 aufgestockt wurde und die DSEE potenzielle Kooperationspartner kontaktiert habe. Die DSEE werde jährlich mit 30 Millionen Euro vom Bund finanziert. Das Interview „Wie steht es um das Ehrenamt, Frau Staatsministerin?“ erschien am 7. Juni 2026.
Das Ehrenamt bügelt die Lücken des Sozialstaats aus und wird dabei allein gelassen: Für diese Kritik nutzten zwei Ehrenamtliche aus Siegburg die Aufmerksamkeit, die der „Ehrentag“ am 23. Mai 2026 generiert hat. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte damit das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland würdigen wollen. Die Aktion sei „das Sinnloseste, was es gibt“ und komme „direkt nach dem Klatschen für Pflegekräfte“, schimpften Angela Holtmann und Manu Gardeweg im Generalanzeiger. Beide engagieren sich für Obdachlose und Katastrophenschutz in Siegburg und Lohmar. Das Ehrenamt sei überlastet, während an Sozialleistungen gespart werde, kritisierten sie. Der Soziologe Holger Backhaus-Maul, Vorstandsmitglied der Aktiven Bürgerschaft, wird im Bericht mit dem Verweis auf den Rechtsanspruch auf Sozialleistungen zitiert, konstatierte aber, im Zivil- und Katastrophenschutz hätten staatliche Stellen in den letzten Jahren vielerorts versagt. Der Bericht von Mitja Nikolaus mit dem Titel „Wir sind immer auf Betteltour“ erschien am 23. Mai 2026 im General-Anzeiger.
Einmal in der Woche geht der Schüler Leif Weverinck in das „Haus der Wohnungslosen“ in Münster und schneidet dort Wohnungslosen kostenlos die Haare. Der Jugendliche engagiert sich ehrenamtlich im Rahmen eines sozialgenial-Projekts, berichtete der WDR am 26. Mai 2026 unter dem Titel „14-Jähriger schneidet Obdachlosen kostenlos die Haare“. Die Mutter, eine ehemalige Friseurin, habe ihm das Haareschneiden beigebracht, den Rest eigne er sich über Online-Tutorials an. Wenn das Projekt ausläuft, will er sein Engagement fortsetzen, dann einmal im Monat, so die Autorin des Beitrags, Antje Kley.
Sechzehn deutsche Stiftungen beteiligen sich laut NDR an einem Versuch, unabhängiger zu kommunizieren und sich von den Social-Media-Plattformen aus den USA und China zu lösen. „Zugleich wolle man ein Zeichen gegen Akteure wie Donald Trump, Elon Musk und Mark Zuckerberg setzen“, heißt es in dem NDR-Bericht „Stiftungen gründen eigene Social-Media-Plattform auf Mastodon“ vom 4. Mai 2026. Die an der Initiative Beteiligten wollten nun unter „stiftungen.social“ auf einem Server der Plattform Mastodon kommunizieren, der zusammen mit der Initiative Save Social entwickelt wurde.
Mehrere Wochen saß eine 25-jährige Thüringerin Lina Herzog im Irak fest, als sie ihren Einsatz als Notfallsanitäterin in Erbil beenden und nach Deutschland zurückkehren wollte. Grund war der Angriffskrieg Israels und der USA auf den Iran. Die Behörden hätten sich nicht um sie gekümmert, erzählte sie im Bericht „Die Ungewissheit war echt schlimm“ von Marcus Cislak in der Ostthüringer Zeitung. Sie hatte sich freiwillig zu dem Hilfseinsatz gemeldet. Ihre Erkenntnisse: Wertschätzung für die Sicherheit in Deutschland und die Überzeugung, im Notfall müsse sich vor Ort die Gesellschaft selbst helfen können. Sie überlege, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten, berichtete Cislak. Der Beitrag erschien am 6. Mai 2026.
Ein Beispiel für die Überforderung Ehrenamtlicher schilderte am 16. Mai 2026 Andreas Schröter in den Ruhr Nachrichten: Der erfolgreiche Bürgertreff „Gerne in Derne“ in Derne bei Dortmund hat im Mai 2026 nach zehn Jahren aufgegeben. Er war 2016 im Rahmen eines Modellprojekts für die Bewältigung des demografischen Wandels gegründet worden. „Ein Abschied, der wehtut“, so Schröter. Denn der Bürgertreff erfreute sich großer Resonanz, es gab Kunstausstellungen, Lesungen, Sonntagskaffee mit Selbstgebackenem, Yogakurse, Kinderaktionen, Nachbarschaftsfeste. Doch die Arbeit blieb an fünf Ehrenamtlichen hängen, von denen vier berufstätig waren. Bereits der Ausfall einer der Ehrenamtlichen brachte das Projekt an seine Grenzen. Zum Jahreswechsel 2025/26 gaben eine Haushaltssperre und eine auslaufende Förderung dem Verein den Rest. Zwar hätte die Förderung wieder neu beantragt werden können, aber nur für ein weiteres Jahr – zu wenig Planungssicherheit. Erschwerend komme der bürokratische Aufwand hinzu. Schröter ließ die Betroffenen zu Wort kommen: „Für jede einzelne Förderung, ob das Lesungen waren oder Veranstaltungen – immer dieser verwaltungsmäßige Überbau“, sagt die Vorsitzende Sandra Brinner. „Das ist für Ehrenamtliche eigentlich unzumutbar. Das sind Strukturen, die Ehrenamt einfach auffressen und kaputt machen.“ Der Beitrag ist unter dem Titel „Tut mir in der Seele weh“ erschienen.
Eine Lanze für Nichtregierungsorganisationen (NGO) brach Anne Brorhilker von der Organisation „Finanzwende“ in der WirtschaftsWoche. Sie zu „delegitimieren, zu diffamieren und finanziell auszutrocknen ist Teil der Strategie autoritärer Kräfte“, so Brorhilker. Doch in Wahrheit seien NGOs keine Bedrohung der Demokratie, sondern „wichtiger Teil dieses Systems, das auf Kontrolle und Ausgleich ausgelegt ist.“ Sie hinterfragten Regierungshandeln, informierten die Öffentlichkeit und zögen gegebenenfalls vor Gericht. „Und sie können Korrekturen anregen, wenn Lobbyverbände aus wirtschaftlichen Interessen Gesetze durchgesetzt haben, die den Staat finanziell schwächen.“ Demokratie lebe von Beteiligung und Organisationen, die für die eigenen Belange einstünden: Eine Kultur, die schließlich auch von anderen gepflegt wird, wie Brorhilker mit Hinweis auf Wirtschaftsverbände und ihre erheblichen Aufwendungen für Lobbyarbeit argumentierte. Ihr Gastkommentar erschien am 26. April 2026 unter dem Titel „Was der Bankenverband darf, darf eine NGO noch lange nicht?“
Über eine Bürokratieposse mit Happy End berichteten am 5. Mai 2026 die Kieler Nachrichten aus Anlass des Tages des Lokaljournalismus. Demnach war 2024 einer Gruppe von Landfrauen untersagt worden, Torten zu backen und auf dem Weihnachtsmarkt in Bordesholm in Schleswig-Holstein für einen guten Zweck zu verkaufen. Man sorgte sich, dass sie in ihrem Ehrenamt die Hygienevorschriften der Lebensmittelproduktion nicht einhielten. Aufgrund von Berichterstattung und öffentlicher Empörung habe sich jedoch dann geklärt, dass der zuständige Kreis Rendsburg-Eckernförde die Vorschrift zu eng auslegte, indem er die Frauen als Unternehmen einstufte, für die die strengeren Regeln gelten. 2025 konnten die Frauen ihre Torten wieder verkaufen. Den Beitrag „Die Torten der Landfrauen Bordesholm dürfen wieder in aller Munde sein“ schrieb Frank Scheer.
In Sachsen-Anhalt fehlen, wie in anderen ostdeutschen Bundesländern auch, große Stiftungen. Und wenn sich welche engagieren, mangele es ihnen oft Lokalexpertise und Netzwerke, um gezielt zu fördern: Das thematisierten Katja Schmidt und Leonard Schubert vom Podcast „Dazwischen“ des Podcast-Radios detektor.fm, unter anderem im Gespräch mit Olaf Ebert von der Bürgerstiftung in Halle, der Stiftung Bürger für Bürger. Ebert berichtete vom Bedarf und von der Initiative „Zukunftswege Ost“ (bürgerAktiv berichtete), ein Verbund aus Stiftungen, Unternehmen und Privatorganisationen, die seit 2024 zivilgesellschaftliche Akteure in Ostdeutschland fördern. Die Bürgerstiftung habe in den vergangenen eineinhalb Jahren 2000 Anträge dafür erhalten und nur 330 Projekte bewilligen können. Im Podcast kommen auch drei junge Leute vor, die einen Fonds für Sachsen-Anhalt gründeten, um die Mittel großer Geldgeber vor Ort an Kinder- und Jugendprojekte zu verteilen.
Was wird die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung mit den schätzungsweise 25 Millionen Euro pro Jahr anfangen, die ihr zustehen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllt? Das fragte Joscha Westerkamp unter dem Titel „Finanzieren Steuergelder bald eine rechte Nachwuchsschmiede?“ in der Süddeutschen Zeitung. Geplant sei, bis zu 160 Mitarbeitende einzustellen, rund tausend Veranstaltungen jährlich anzubieten und Stipendien an Studierende und Doktoranden zu vergeben, erfuhr er von der Stiftungsvorsitzenden Erika Steinbach. So weit, so ähnlich den Aktivitäten anderer parteinaher Stiftungen: „Die Besonderheit bestünde eben darin, dass AfD-konforme ideologische Positionen relevant sind und vermittelt werden“, zitiert Westerkamp den ebenfalls von ihm befragten Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber. Zur konkreten Bedeutung für den Bereich der Stipendien schreibt Westerkamp: „Wer der AfD bereits ideologisch nahesteht, könnte über Stipendien eine noch engere Nähe zur Partei entwickeln, sagt Pfahl-Traughber. Eine mögliche Folge: Die Attraktivität der Partei könnte für formal höher Gebildete wachsen. Bisher gibt es unter ihnen vergleichsweise wenige AfD-Wähler. Die mindestens in Teilen rechtsextreme Partei könnte so weiteren Zuwachs erhalten.“ Der Beitrag erschien am 21. April 2026.
Bei dem tagelangen Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar 2026 waren nicht nur staatliche Stellen und Katastrophenschutz vor Ort, sondern auch zivilgesellschaftliche Organisationen. Auf Einladung der Stiftung Zukunft Berlin zum „Ratschlag Zivilgesellschaft“ erörterten elf Institutionen und Organisationen im Rückblick, wer sich wie beteiligt hatte, berichtete der Tagesspiegel in seiner Printausgabe am 20. April 2026. „Kirchengemeinden, Stadtteilzentren, Sportvereine oder Kitas aktivierten ihre Ehrenamtlichen, ihre Netzwerke und ihre Ressourcen, um die Situation zu meistern und den Menschen ohne Strom und Wärme zu helfen“, schrieb der Autor des Berichts, Boris Buchholz. Allerdings stellten die Teilnehmenden fest, dass das zivilgesellschaftliche Engagement von den staatlichen Krisenstäben nicht ausreichend wahrgenommen worden sei. „Jemand im Krisenstab sollte wahrnehmen, dass zivilgesellschaftliche Organisationen da sind“, forderte dem Bericht zufolge der Leiter des Nachbarschaftsvereins Mittelhof. Die Krisenmanager in den Bezirken sollten wissen, welche Stadtteilzentren, welche bereits vom Land oder dem Bezirk geförderte Infrastruktur vor Ort vorhanden sei.
Für die Zukunft schlug der Ratschlag unter anderem eine Kampagne „Lerne Deinen Nachbarn kennen“ vor, Kiez-Resilienztage, auf denen sich zivilgesellschaftliche Initiativen vorstellen und Bezirksämter über Kiezboxen informieren, mit denen lokale Kommunikation aufgebaut werden kann. Die Vorschläge wurden an den Berliner Senat übergeben.
Der Beitrag erschien unter dem Titel „Berlin lernt aus dem Blackout“. Eine frühere Fassung war am 2. April 2026 online veröffentlicht worden.
Karin Prien, Bundesfamilienministerin und CDU-Mitglied, möchte im Programm „Demokratie leben!“ rund 200 Projekten die Mittel streichen und dafür Extremismusprävention im digitalen Raum und die Prävention vor Antisemitismus stärken. Doch im Einzelnen sind die Entscheidungen widersprüchlich, wie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) Timo Steppat und Paul Gross berichteten. Unter anderem kommt Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in dem Beitrag zu Wort. Mit Mitteln aus dem Programm hat er begonnen, eine digitale Akademie zur Extremismusprävention aufzubauen. Sie wird jedoch nicht eröffnet werden können, weil nun die weitere Finanzierung gestoppt wird – die bisher verausgabten 340.000 Euro wären so gesehen verschwendet worden. Mendel und andere Träger kritisierten, zwei Säulen des Programms – Innovationsprojekte und bundesweite Vernetzung – würden pauschal und ohne inhaltliche Begründung gestrichen. Auch beim Bayerischen Jugendring laufen Projektförderungen aus, die auf den digitalen Raum und Antisemitismus zielen. Im Ministerium argumentiert man mit zurückliegenden Evaluationen und macht darauf aufmerksam, dass die Projekte sich neu bewerben können. Der Extremismusforscher Peter Neumann vom Londoner King’s College sagt, das Programm funktioniere eigentlich besser als etwa staatliche De-Radikalisierungsprogramme in Großbritannien. Doch kämen Präventionsprojekte, die allgemein in die Gesamtgesellschaft hineinwirkten, „einer Art Selbstgespräch gleich. Da werden Leute angesprochen, die sich wahrscheinlich sowieso nicht radikalisieren würden“, wird er in dem Beitrag zitiert.
Steppats und Gross‘ Fazit: Viele Träger hätten sich daran gewöhnt, dass das Bundesfamilienministerium ihnen zugewandt war und bis 2024 nur begrenzt die Wirkung der Fördergelder geprüft habe. „Prien schafft neue Vorgaben, in denen sich Organisationen teils neuen Zielen zuwenden müssen, wenn sie wieder aus dem ‚Demokratie leben!‘-Topf gefördert werden möchten.“ Der Beitrag „Ist Karin Prien getrieben – oder hat sie einen Plan?“ erschien am 16. April 2026.
500.000 Euro reichten ihm, um sich sicher zu fühlen und nötigenfalls um andere zu kümmern. Deshalb habe er die restlichen 4,5 Millionen Euro seines Vermögens gestiftet, sagte der Mitbegründer der App Blinkist, Sebastian Klein, im Interview mit dem Tagesspiegel. „Mein Eindruck war: Diese Millionen sind jetzt zu viel. Es passieren Dinge, die für mich als Individuum schlecht sind, und für den Rest der Gesellschaft“, sagte er. Allein darüber nachzudenken, wie er das ganze Geld gewinnbringend anlegen könnte, habe wahnsinnig viel Raum eingenommen. Klein gründete mit seinem Vermögen einen gemeinwohlorientierten Investmentfonds Karma Capital, der unter anderem in Verantwortungseigentum investiert und gemeinwohlorientierte Medienprojekte fördert. Er ist auch Mitglied der Initiative taxmenow, die sich für eine höhere Besteuerung reicher Menschen einsetzt. Das Interview führte Ruth Ciesinger. Es erschien am 14. April 2026 unter dem Titel „Ich kenne viele Leute, die sich mit einem Millionenvermögen arm fühlen“.
Im internationalen Vergleich spenden die Menschen in Deutschland relativ wenig, wenn man die Spendensummen zum Einkommen in Beziehung setzt. Diesen Eindruck vermittelte zuletzt der World Giving Report 2025 (bürgerAktiv berichtete). Die Zurückhaltung könnte am Vertrauen in den Wohlfahrtsstaat liegen, schrieb Beatrice von Braunschweig im Handelsblatt unter Bezugnahme auf den Stiftungsexperten Rupert Graf Strachwitz. Sie stellte zudem fest: „Anders als in den USA oder Großbritannien fehlt es in Deutschland an einer öffentlichen ‚Kultur der Philanthropie‘. Ein Grund: Knapp 70 Prozent der Deutschen hegen moderaten bis starken Groll gegenüber Wohlhabenden, wie der Edelman Trust Barometer 2025 berichtet.“ Weitere Gesprächspartner finden dem Bericht zufolge, es gebe eine Neidkultur in Deutschland und Vermögende kommunizierten zu zurückhaltend über ihre Philanthropie. Daher fehle es an Vorbildern. Teils liege die Zurückhaltung auch Zweifeln, ob gespendetes Geld am Zielort ankomme. Der Beitrag erschien am 2. April 2026 in der Printausgabe unter dem Titel „Warum spenden Deutschlands Reiche so wenig?“.
Bemerkenswerte Einblicke in die Möglichkeiten und Grenzen der Stiftungsaufsicht eröffnet der Bericht „Stiftungsaufsicht handelte erst spät“ im Iserlohner Kreisanzeiger vom 25. März 2026. Darin berichtet Thomas Krumm vom Verfahren um die Veruntreuung eines Millionenbetrags bei der gemeinnützigen Dr. Heinz und Anita Lütke Stiftung in Hemer. Auf der Anklagebank sitzen vier Stiftungsverantwortliche. Die zuständige Aufsicht der Bezirksregierung Arnsberg hatte zwar den Vorsitzenden der Stiftung, den Vorsitzenden des Kuratoriums und zwei weitere Kuratoriumsmitglieder ihrer Ämter enthoben. Doch da waren schon ein paar Jahre nach Aufkommen erster Verdachtsmomente ins Land gegangen, in denen die Aufsicht Stellungnahmen angefordert hatte, was trotz Androhung von Zwangsgeldern keinen Erfolg hatte. „Zunächst ist es Aufgabe des Kuratoriums, den Vorsitzenden abzuberufen. Die Aufsicht muss abwarten, wie sich die beteiligten Organe selbst verhalten“, wird im Bericht einer der Vertreter der Aufsicht zitiert. Der Schönheitsfehler, dass im Kuratorium der Sohn des Stiftungsvorsitzenden saß, sei aus rechtlicher Sicht kein Problem gewesen und es sei Sache der Stiftung selbst, diese problematische Situation zu beenden.
Vor Ort im Dorfladen einkaufen und ein Schwätzchen halten: Das scheint teurer Luxus zu werden. „Jetzt ist die wirtschaftliche Situation so knirsch, dass, wenn die Kühltheke ausfällt, wir schließen müssen“, sagt die ehrenamtliche Leiterin eines Dorfladens in einem Bericht des Norddeutsche Rundfunks (NDR) über die Nöte der Dorfläden in Niedersachsen. Zum Start des beispielhaft geschilderten Ladens hatte es Fördermittel gegeben, außerdem hatte ein Drittel der 1000 Einwohner im Dorf Anteile gekauft, der Laden wurde zum Treffpunkt und kleine Gruppen nutzten den Raum etwa zum Handarbeiten. Doch dann verteuerten Inflation und Energiekrise den Betrieb und die Waren, Menschen suchen verstärkt nach Billigangeboten, die der Dorfladen nicht liefern kann. Zugleich sind durch die Einführung und Anhebung des Mindestlohns die Lohnkosten gestiegen. Der Laden versuche es jetzt noch einmal mit Appellen und hoffe auf mehr Ehrenamtliche, sonst sei er am Ende. Der Bericht „Trotz Ehrenamt und Fördergeldern: Dorfläden stehen kurz vorm Aus“ von Katrin Heineking erschien am 19. März 2026.
„Wer arm ist, kann sich Ehrenamt nicht leisten“: So lapidar bringt Dwain Schwarzer vom Landessportbund Niedersachsen in der taz vom 14. März 2026 ein Problem auf den Punkt, das ursächlich für den Mangel an Ehrenamtlichen ist. Da kann es helfen, eine Aufwandsentschädigung nicht nur zu zahlen, sondern auch zu kommunizieren. So bekommen Schülerinnen und Schüler, die sich beim Handballverein HSG Verden-Aller als Jugendtrainer engagieren, 100 Euro Aufwandsentschädigung im Monat, wie Eiken Bruhn in ihrer Reportage „Am Ball bleiben“ berichtet – die Transparenz soll weitere Jugendliche für das Engagement gewinnen. Sie können auch Lehrgänge besuchen und die Social Media mitgestalten. Freundlichkeit scheint grundsätzlich eine erfolgsversprechende, aber zu wenig verbreitete Strategie zu sein. Bruhn: „Eine wertschätzende Verabschiedung, die die Chance erhöht, dass jemand zurückkehrt, ist nicht selbstverständlich. In vielen Vereinen hagle es Vorwürfe, den Verein im Stich zu lassen“, zitiert sie eine Studie. In ihrem Beitrag kommen verschiedene Engagierte aus dem Handballverein zu Wort, der noch weitere vielversprechende Strategien zur Gewinnung von Ehrenamtlichen umsetzt.
Die Übernachtungen in den deutschen Jugendherbergen sind 2025 um 2,8 Prozent zurückgegangen, weil weniger Gruppenfahrten von Vereinen gebucht wurden, berichtete unter anderen das Portal evangelisch.de am 3. März 2026. Die größte Gruppe der Jugendherbergsgäste waren Schulklassen, bei ihnen gab es keinen Rückgang. Das Deutsche Jugendherbergswerk wolle 2026 mehr Menschen für ein freiwilliges Engagement und Vereinsleben begeistern und darauf bei seinen Weiterbildungsangeboten in den rund 400 Häusern den Schwerpunkt legen, heißt es in dem Beitrag.
Eine Mehrzahl von Menschen regt sich über Missstände auf, aber nur eine Minderheit engagiert sich, um Abhilfe zu schaffen. Das leitet der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent aus der repräsentativen Umfrage zu Krisengefühlen ab, die er für sein Buch „Keine Macht der Ohnmacht“ durchführte. Im Interview „Demokratien nehmen Gefühle nicht ernst genug“ mit Lenz Jacobsen für ZEIT online beschreibt er, wie Menschen ihre Ohnmachtsgefühle kompensieren, indem sie charismatischen und zerstörerischen Gruppen folgen. Unter Menschen, die sich engagieren, fänden sich dagegen deutlich weniger Anhänger der AfD. Quent wirbt für niedrigschwellige Beteiligungsformate und mehr direkte Demokratie. „Wir wollen eine demokratische Gesellschaft, in der alle mitbestimmen können. Aber in der Schule und vor allem bei der Arbeit, also dort, wo Menschen einen Großteil ihrer Lebenszeit verbringen, machen Menschen diese Erfahrung meist gerade nicht“, sagt er. „Langfristig kann eine demokratische Gesellschaft nur funktionieren, wenn sich ihre Mitglieder nicht als ohnmächtig erleben, sondern als handlungsfähig.“ Das Interview erschien am 7. März 2026.
In der Krise steigt der Wert von Unabhängigkeit: Das scheint das Beispiel des Kunstmuseums Städel in Frankfurt a.M. zu zeigen, das aktuell mit einer großen Zustiftungskampagne nach US-amerikanischem Vorbild in der Öffentlichkeit unterwegs ist. „Weil sich die Welt rasant verändert und wir diesen Wandel selbstbestimmt gestalten wollen“, antwortet Direktor Philipp Demandt auf die Frage nach den Gründen. „Wir sind in engem Austausch mit unseren amerikanischen Kollegen, die durch politisch unruhige Zeiten gehen. Je größer der finanzielle Grundstock, desto höher die Resilienz“, erklärt er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). „Alle Zustiftungen an das Städel sind von Rechts wegen unveräußerlich, aber ihre Zinsen und Dividenden sollen mittelfristig eine weitere Säule unserer Finanzierung werden.“ Aktuell finanziere sich das Städel, eine gemeinnützige private Stiftung, zu 15 Prozent aus öffentlichen Mitteln, der Rest komme aus Eintrittsgeldern, dem Förderverein, sowie von privaten Mäzenen, Stiftungen und Unternehmen. Das Ziel der Kampagne seien Zustiftungen in Höhe von 100 Millionen Euro, ein Viertel davon sei schon zusagt, so Demandt. Das Vermögen des Museums seien die herausragende Sammlung und eine Immobilie. Das Interview „Auf die Frankfurter Bürger ist immer Verlass“ führte Stefan Trinks. Es erschien am 7. März 2026.
Die Kreiszeitung wirft einen Blick in den Alltag der Bildungsförderung: Hanna Müller berichtet über die Kühn-Stiftung, die im niedersächsischen Achim Bildungsausflüge für sozial benachteiligte Kinder finanziert. Ausflüge ins Planetarium, ins Theater oder ein Museum sind aufregend und bereichernd sowohl für die Kinder als auch für die Betreuer, und sie wirkten auch nachhaltig, so Müller. Doch gestalte es sich oft schwierig die Kinder und Familien aus der Zielgruppe der Förderung zu erreichen. „Die Projekte leben davon, weiter erzählt zu werden, um die richtigen Familien zu erreichen, aber sie auch zu ermutigen, diese Angebote anzunehmen“, fasst Müller die Aussage einer Organisatorin zusammen. „Ein weiteres Problem sei häufig, dass einige Kinder und Familien nicht zugeben möchten, dass sie Hilfe benötigen, und auf solche Angebote angewiesen seien.“ Der Beitrag ist am 11. Februar 2026 unter der Überschrift „Die Kühn-Stiftung ermöglicht Ausflüge – doch viele Familien zu erreichen ist schwer“ erschienen.
Seit 25 Jahren beschäftigt sich Richard Edelman mit dem Vertrauen von Menschen in Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Medien und Unternehmen. Jedes Jahr publiziert sein Unternehmen, die globale PR-Agentur Edelmann, das „Edelman Trust Barometer“ mit Aussagen von mehr als 30.000 Befragten aus 28 Ländern. Die „bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte“ berichten regelmäßig über die Ergebnisse.
„Wir müssen das Vertrauen in die Zukunft wieder herstellen“, sagte Edelman im Sommer 2025 in einem Podcast der ZEIT, aus dem Auszüge jetzt als Interview zu lesen sind. „Egal, ob Gesundheitsversorgung, Verkehr oder Bildung: Die Leute zahlen Steuern und wollen im Gegenzug Verlässlichkeit, Kompetenz und Exzellenz sehen.“ Vor allem junge Menschen seien sehr pessimistisch: „Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden. Das hat zu einem Vertrauensverlust in die Institutionen und auch die Verantwortlichen geführt. Wenn zwei Drittel der jungen Menschen sagen, dass Journalisten, Regierungs- oder Wirtschaftsführer sie belügen, ist das ein echtes Problem.“ Der Gesprächsauszug mit Erörterungen zu der Entwicklung in den Medien, der Verlagerung junger Menschen in die Sozialen Medien sowie wirtschaftlichen Disparitäten erschien am 11. Februar 2026 unter dem Titel „Verlieren junge Menschen das Vertrauen in die Medien, Richard Edelman?“. Das Gespräch führte Jochen Wegener.
Das Land Brandenburg förderte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) 2025 bis Ende September mit rund 54,5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 58,6 Millionen Euro. Diese Auskunft gab die Landesregierung der AfD im Landtag, die in einer Großen Anfrage nach der Förderung gefragt hatte, berichtete der Nordkurier. Die AfD kritisierte in der Anfrage eine angebliche Nähe der NGOs zur Regierung. In dem Bericht reagiert ein AfD-Vertreter auf die Zahlen unter anderem mit der Aussage, eine AfD-Regierung würde die 17 Millionen Euro für das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung streichen. Politiker anderer Parteien und Vertreter der Zivilgesellschaft werden in dem Beitrag mit Vorwürfen zitiert, nach denen die AfD NGOs diffamiert und einschüchtert. Der Bericht „Demokratie unter Beobachtung: AfD-Fraktion hinterfragt NGO-Förderung“ von Benjamin Lassiwe erschien am 6. Februar 2026.